Erd­bee­ren voller Pes­ti­zi­de? Warum ich nur Bio Erd­bee­ren kaufe

7. Juni 2021
Wo die Erdbeeren aus dem Supermarkt eigentlich herkommen, warum gerade bei Erdbeeren Bio so wichtig ist und hilfreiche Tipps zum Selberpflücken
Autor: Verena Hirsch

Verena Hirsch

Rot, saftig, süß – so lieben wir Erd­bee­ren. Jetzt in der Saison können wir auch endlich ohne Reue genießen, oder? An Pes­ti­zi­de denken wir bei Erd­bee­ren wohl kaum. Deshalb habe ich hier zusam­men­ge­fasst, wo die Erd­bee­ren aus dem Super­markt eigent­lich her­kom­men, warum gerade bei Erd­bee­ren Bio so wichtig ist und was du über Erd­beer­fel­der wissen solltest.

Nach dem kalten Frühling hat es dieses Jahr etwas länger gedauert, aber jetzt sind die Obst­re­ga­le voll mit dem hei­mi­schem Som­mer­obst. Und immerhin: Der über­wie­gen­de Anteil davon kommt aus Deutsch­land. Aller­dings werden trotzdem jährlich über 100.000 Tonnen aus dem nahen und fernen Ausland impor­tiert. Die meisten Import-Erd­bee­ren stammen aus Spanien. Teil­wei­se kommen die Früchte  auch aus Italien, den Nie­der­lan­den oder Nordafrika.

Leckere Erdbeeren sind oft leider mit Pestiziden belastet.

Erd­bee­ren – das dre­ckigs­te Obst der Welt?

Erd­bee­ren sind grund­sätz­lich enorm emp­find­lich. Im Anbau sind sie all­ge­mein sehr pfle­ge­be­dürf­tig und erfor­dern viel Hand­ar­beit. Außerdem ver­der­ben sie recht schnell nach der Ernte. Deshalb kommen bei kon­ven­tio­nel­len Erd­bee­ren sehr große Mengen an chemisch-syn­the­ti­schen Pflan­zen­schutz­mit­teln zum Einsatz. Nur so kann der Ertrag hoch und der Preis mög­lichst niedrig gehalten werden. Auf dem ame­ri­ka­ni­schen Markt gelten laut Envi­ro­men­tal Working Group (EWG) Erd­bee­ren sogar als das am stärks­ten belas­te­te Obst und Gemüse. Sie stehen somit auch 2021 wieder auf Platz 1 der soge­nann­ten »Dirty Dozent« – einer Liste mit zwölf Obst- und Gemü­se­sor­ten, die im Anbau am meisten gespritzt werden.

So mit Pes­ti­zi­den belastet sind Erd­bee­ren in Deutschland 

Dieses Ranking lässt sich grund­sätz­lich nicht 1:1 auf Deutsch­land über­tra­gen. Das Nie­der­säch­si­sche Lan­des­amt für Ver­brau­cher­schutz und Lebens­mit­tel­si­cher­heit (LAVES) unter­sucht jährlich Erd­bee­ren auf Pes­ti­zi­de. 2019 wiesen 79 von 85 Proben Rück­stän­de auf. In 88% der Fälle konnte das Institut Mehr­fach­rück­stän­de ver­schie­de­ner Pes­ti­zi­de nach­wei­sen — davon teil­wei­se bis zu 15 Wirk­stof­fe in eine Probe. Damit zählen Erd­bee­ren zu den stärker belas­te­ten Früchten.

Dieses Bild bestä­ti­gen auch Ergeb­nis­se von Öko Test. Im Mai 2018 wurden Erd­bee­ren aus 10 großen Super­märk­ten und Dis­coun­tern unter die Lupe genommen. Von 30 Proben wurden in 27 Rück­stän­de von Spritz­mit­teln gefunden. Nicht besser steht es auch um ver­ar­bei­te­te Produkte aus Erd­bee­ren. Im April 2020 konnte Öko Test in 13 von 20 getes­te­ten Erd­beer­mar­me­la­den sowie ‑kon­fi­tü­ren Pes­ti­zi­de nachweisen.

Auch wenn die Höchst­gren­zen für Pes­ti­zid­rück­stän­de in der Regel nicht über­schrit­ten werden, landen alle Mittel in der vollen Dosis in der Natur und beein­flus­sen die Arten­viel­falt. Was unsere Gesund­heit angeht, hat das Bun­des­in­sti­tut für Risi­ko­be­wer­tung (BfR) in einem Moni­to­ring ein gesund­heit­li­ches Risiko für Rück­stän­de von Pflan­zen­schutz­mit­teln prak­tisch aus­schlie­ßen können. Nicht abschlie­ßend bewerten kann das BfR bisher das Risiko von Mehrfachrückständen. 

Erdbeeren am besten regional und bio kaufen

Warum auch Erd­beer­fel­der nur bedingt zu emp­feh­len sind 

Erd­bee­ren zum selber Pflücken scheinen eine bessere Alter­na­ti­ve zur Schale aus dem Super­markt zu sein. Nun, wer zum Erd­beer­feld vor Ort fährt, spart natür­lich Trans­port­we­ge ein und unter­stützt die lokalen Anbieter*innen. Aller­dings werden auch diese Felder meist gespritzt – sofern sie nicht explizit als bio­lo­gisch gekenn­zeich­net sind.

Außerdem kommt hinzu, dass die Felder meist an viel befah­re­nen Straßen liegen. Laut Bun­des­zen­trum für Ernäh­rung (BZfE) können die Erd­bee­ren so zusätz­lich mit Abgasen, Rei­fen­ver­schleiß und Fahr­bahn­ab­rieb in Berüh­rung kommen. Expert*innen sehen vor allem Fahr­bahn­ab­flüs­se sehr kritisch. Dadurch können Schwer­me­tal­le auf die Felder und somit die Erd­bee­ren gelangen. Das BZfE legt daher nahe, beim Sel­ber­pflü­cken von Erd­bee­ren Stand­or­te direkt an einer Straße zu vermeiden.

Tipp: Pflücke Erd­bee­ren immer mit Kappe und Stiel­an­satz. So sind sie weniger anfällig für Schimmel und bleiben länger frisch!

Erdbeeren Pestizide: So belastet sind erdbeeren

Erd­bee­ren am besten regional und bio kaufen

Meine Emp­feh­lung ist, soweit möglich regio­na­le Erd­bee­ren aus öko­lo­gi­schem Anbau zu kaufen. Das emp­fiehlt auch das Bun­des­zen­trum für Ernäh­rung sowie die Ver­brau­cher­zen­tra­le Bayern. Beim bio­lo­gi­schen Anbau wird auf chemisch-syn­the­ti­sche Pes­ti­zi­de ver­zich­tet. Dadurch steigt natür­lich das Pensum an Hand­ar­beit und die Erträge fallen teil­wei­se nied­ri­ger aus. Da bio­lo­gi­sche Erd­bee­ren nicht mine­ra­lisch gedüngt werden, sind die Früchte kleiner. Dafür meist aro­ma­ti­scher. Regio­na­le Bio Erd­bee­ren sind deshalb ent­spre­chend teurer – eine 500g Schale kostet ca. 4,99 € bis 6,99 €. 

Kaufe also lieber weniger Erd­bee­ren und genieße dafür bewuss­ter! Viel­leicht kannst du dir auch eigenen Erd­beer­pflan­zen für deinen Garten oder Balkon besorgen. Du wirst den Unter­schied auf jeden Fall schme­cken, versprochen!

Erdbeeren Pestizide belastet

 

Du bist aktuell voll im Erd­beer­fie­ber? Dann wird dir dieses Erdbeer-Rha­bar­ber Tiramisu bestimmt schme­cken — egal ob mit Rha­bar­ber oder nur mit Erdbeeren!

 

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