Warum Lebens­mit­tel nur mit Wert­schät­zung länger haltbar bleiben

26. Januar 2021
Was Wertschätzung mit der Haltbarkeit unseres Essens zu tun hat und wie lange Lebensmittel wirklich haltbar sind
Autor: Verena Hirsch

Verena Hirsch

Kann ich das noch essen? Ist jenes noch gut? Wie lange hält sich dies denn? Es ist schon über eine Woche abge­lau­fen, macht das was?

Fragen wie diese bekomme ich nicht gerade selten gestellt. Einer­seits freut es mich natür­lich, dass sich viele Menschen mehr mit ihren Lebens­mit­teln aus­ein­an­der setzen. Ande­rer­seits kann ich darauf immer nur folgende Antwort geben: Lebens­mit­tel sind so lange haltbar bis sie schlecht sind.

Wie lange sind Lebens­mit­tel haltbar?

Das ist natür­lich nicht die Antwort, die mein:e Gegen­über erwartet hatte – jedoch die einzig ehrliche, die ich geben kann. Könnte ich mittels Fern­dia­gno­se die Genieß­bar­keit von Lebens­mit­teln exakt bestim­men, würde ich hier ver­mut­lich nicht mehr schrei­ben 😉 Aber zurück zur Frage: Woher weiß ich denn, ob ein Lebens­mit­tel denn noch haltbar bzw. gut ist?

Das Min­dest­halt­bar­keits­da­tum (MHD)

Das Min­dest­halt­bar­keits­da­tum muss laut EU-Recht auf allen abge­pack­ten Nah­rungs­mit­teln ange­ge­ben werden. Leider wird es von vielen falsch inter­pre­tiert. Eigent­lich ist es eine Qua­li­täts­ga­ran­tie der Her­stel­ler. Diese ver­su­chen sich dadurch vor Beschwer­den zu schützen und wählen bei­spiels­wei­se bei Kühl­pro­duk­ten teil­wei­se eine kürzere Halt­bar­keits­ga­ran­tie. Wie lange Lebens­mit­tel wirklich haltbar sind, hängt von vielen, ständig vari­ie­ren­den Faktoren ab. Sodass eine pau­scha­le Angabe einfach nicht möglich ist.

UNTERSCHEIDE DAS VERBRAUCHSDATUM
Vom Min­dest­halt­bar­keits­da­tum zu unter­schei­den ist das Ver­brauchs­da­tum. Dieses findet man auf frischem Fleisch und Fisch mit dem Hinweis “zu ver­brau­chen bis”. Jene Produkte sollten nach diesem Datum nicht mehr verzehrt werden.

Leider wird das MHD bei den meisten Konsument:innen fälsch­li­cher­wei­se als alar­mie­ren­den Warn­hin­weis ver­stan­den. “Min­des­tens haltbar bis” wird gleich­ge­setzt mit “Garan­tiert schäd­lich ab (oder auch schon einen Tag zuvor)”. Das ist natür­lich voll­kom­men­der Quatsch – aller­dings mit ernst­haf­ten Folgen.

Lebensmittel sind auch über das MHD hinaus noch haltbar.

Denn dadurch landen viel zu viele Produkte in der Tonne, obwohl sie noch lange gut wären. So ist auch das Min­dest­halt­bar­keits­da­tum bzw. der Umgang mit diesem ein Grund für jährlich 18 Mil­lio­nen Tonnen Lebens­mit­tel­ab­fäl­len in Deutschland.

Anstatt uns an fiktive Zahlen oder Vorgaben von außen zu klammern, sollten wir anfangen wieder unseren Sinnen zu ver­trau­en. Aber warum machen wir das eigent­lich nicht (mehr)?

Lebens­mit­tel wert­schät­zen: Was sich ändern muss

Grund­sätz­lich sind wir heut­zu­ta­ge ja gar nicht gezwun­gen, uns mit der Halt­bar­keit von Lebens­mit­teln aus­ein­an­der­zu­set­zen. Denn genug zu essen zu haben, ist für uns selbst­ver­ständ­lich. Im Super­markt sind wir umgeben von einem Über­an­ge­bot an (güns­ti­gen) Nah­rungs­mit­teln. Das lässt uns aber auch den Bezug zu unserem Essen ver­lie­ren. Das Kaufen und Weg­wer­fen von genieß­ba­ren Lebens­mit­teln ist mitt­ler­wei­le kein schlech­ter Scherz mehr sondern traurige Realität.

Lebensmittel wertschätzen für weniger Lebensmittelverschwendung

Bild: Verena Müller

Was wir wert­schät­zen, schmei­ßen wir nicht weg

Was hat jetzt Wert­schät­zung mit unserer Halt­bar­keits­fra­ge zu tun? Sehr viel! Denn was uns etwas wert ist, schmei­ßen wir nicht einfach weg. Oder würdest du dein Smart­pho­ne weg­wer­fen, nur weil es einen Kratzer hat oder ein neues auf dem Markt ist? Ich denke mal nicht. Also, lasst uns auch unsere Lebens­mit­tel mehr wert­schät­zen und sie länger haltbar machen. So geht’s:

Halt­bar­keit von Lebens­mit­teln – unser Körper weiß es am besten

Du kannst das MHD natür­lich als groben Anhalts­punkt für die Halt­bar­keit nehmen. Vergiss aller­dings nicht, dass bei­spiels­wei­se ein Joghurt durch Unter­bre­chung der Kühl­ket­te auch bereits vor dem Ablauf des MHDs schlecht werden kann. Ich empfehle dir daher besser eigenen Erfah­rungs­wer­te als Richt­li­nie zu nehmen. Aber über­for­de­re dich nicht. Grund­sätz­lich gilt:

ANSCHAUEN – Sieht das Produkt anders aus als gewohnt? Hat sich die Kon­sis­tenz ver­än­dert? Sind Ver­fär­bun­gen oder gar Schim­mel­spo­ren erkennbar?

RIECHEN – Ist der Geruch anders als üblich? Riecht es säu­er­lich oder vergoren?

PROBIEREN – Hier reicht eine ganz kleine Kost­pro­be, etwa die Spitze eine Tee­löf­fels. Schmeckt es anders als gewohnt?

Kannst du alle Fragen mit nein beant­wor­ten, ist das Lebens­mit­tel grund­sätz­lich ohne Bedenken genieß­bar. Dieser Test ist vor allem bei Kühlware und selbst gemach­tem Essen emp­feh­lens­wert. Bei Tro­cken­wa­re wie Salz, Nudeln oder Reis ist ein MHD noch abwe­gi­ger. Diese sind meist noch Jahre lang gut bzw. können bei kor­rek­ter Lagerung eigent­lich gar nicht schlecht werden.

 

Warum eigent­lich so viel Essen im Müll landet, habe ich dir in den Top 3 Ursachen für Lebens­mit­tel­ver­schwen­dung zusam­men­ge­fasst.

 

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