Nitrat im Wasser? Nein danke! Warum sauberes Grund­was­ser Bio braucht

22. März 2020
Deutschland hat zu viel Nitrat im Wasser. Hier erfährst du, warum wir für sauberes Wasser Bio Landwirtschaft brauchen!
Autor: Verena Hirsch

Verena Hirsch

Dass wir in Deutsch­land zu viel Nitrat im Grund­was­ser haben, ist bekannt. Die Politik schei­tert bislang an effek­ti­ven Ver­bes­se­run­gen, wodurch sauberes Wasser für alle teurer werden könnte. Doch die eigent­li­che Lösung hat die bio­lo­gi­sche Land­wirt­schaft schon längst parat.

Zu viel Nitrat im Grund­was­ser: Die Politik vor einem Problem

Was Nitrat im Wasser angeht, hat Deutsch­land die Nase ziemlich weit vorn. Nur Malta ist im euro­päi­schen Ver­gleich noch stärker mit Nitrat belastet. Aufgrund der hohen Nitrat­wer­te im Grund­was­ser hat die EU-Kom­mis­si­on die Bun­des­re­gie­rung 2016 verklagt. Deutsch­land verstößt damit nämlich gegen die EU-Nitrat­richt­li­nie, die maximal 50 Mil­li­gramm Nitrat pro Liter Grund­was­ser zulässt. 

Seit 2017 versucht die Politik stetig mit stren­ge­ren Dün­ge­ver­ord­nun­gen das Problem zu lösen. Bisher mit keinem zufrie­den stel­len­den Erfolg. Gelingt dies nicht, droht Deutsch­land ein Bußgeld von rund 850.000 Euro täglich. Doch auch wir alle könnten für Wasser bald mehr zahlen. Für die ört­li­chen Was­ser­ver­sor­ger wird die Säu­be­rung und Fil­tra­ti­on nämlich immer aufwändiger. 

Nitrate sind che­mi­sche Ver­bin­dung aus Stick­stoff und Sauer­stoff. Sie sind wichtige Nähr­stof­fe für Pflanzen. Was diese nicht auf­neh­men können gelangt über den Boden ins Grund­was­ser. Im mensch­li­chen Körper kann Nitrat zu Nitrit umgebaut werden, das zu Durch­blu­tungs­stö­run­gen führt und im Verdacht steht, krebs­er­re­gend zu sein.

Nitrat im Wasser: Für sauberes Wasser brauchen wir biologische Landwirtschaft

Wie kommt Nitrat ins Grundwasser?

Damit Pflanzen wachsen, benö­ti­gen sie Nähr­stof­fe. Dazu gehört auch Stick­stoff. Dieser wird in ver­schie­de­nen Formen auf die Felder ausgebracht:

  • Gülle oder Mist aus Tierhaltung
  • künst­lich her­ge­stell­ter Mineraldünger
  • Gär­sub­stra­te aus Biogasanlagen
  • Humus aus Gründüngung

Doch wie so oft ist etwas in Maßen gut, aber im Übermaß schäd­lich. So ähnlich ist es mit Stick­stoff. Denn was die Pflanzen nicht auf­neh­men können, gelangt in den Boden. Dort wird er von Mikro­or­ga­nis­men zu Nitrat umge­wan­delt, das dann bei Regen ins Grund­was­ser sickert. 

Die Land­wirt­schaft gilt durch die Mas­sen­tier­hal­tung als Haupt­ver­ur­sa­cher der hohen Nitrat­wer­te. Die Gülle der großen Ställen muss schließ­lich auch irgendwo aus­ge­bracht werden. Außerdem ver­wen­det die kon­ven­tio­nel­le Land­wirts­haft zusätz­lich mine­ra­li­sche Kunst­dün­ger, um das Pflan­zen­wachs­tum zu fördern. Aber auch in diversen Abgasen sowie Abwäs­sern fällt Stick­stoff an. 

Deutlich weniger Nitrat im Wasser durch öko­lo­gi­sche Landwirtschaft

Im Öko­land­bau kommt grund­sätz­lich viel weniger Stick­stoff zum Einsatz. Da in der Bio Land­wirt­schaft keine künst­li­chen Dün­ge­mit­tel zum Einsatz kommen, fällt hier schon mal eine Nitrat-Quelle weg. Außerdem gilt nach der EU-Öko-Ver­ord­nung  das Prinzip der Flächenbindung.

Das heißt, dass ein Hof nur so viele Tiere halten darf, wie er soge­nann­te Dungein­hei­ten zur Ver­fü­gung hat. Eine Dungein­heit ent­spricht dem Tier­be­stand, der jährlich nicht mehr als 80kg Stick­stoff bzw. 70kg Phosphor an Exkre­men­ten absetzt. 1,4 Dungein­hei­ten ent­spre­chen einer Fläche von einem Hektar.

Viele Studien zeigen„ dass auf öko­lo­gisch genutz­ten Acker- und Grün­land­flä­chen durch­schnitt­lich nur halb so viel Stick­stoff aus­ge­wa­schen wird wie bei kon­ven­tio­nel­ler Bewirt­schaf­tung. Aber auch im Öko-Landbau besteht ein Risiko, dass zu viel Stick­stoff aus­ge­wa­schen wird. Dies kann ver­hin­dert werden, indem nicht zu viele Exkre­men­te aus­ge­bracht werden oder der Boden ganz­jäh­rig bedeckt ist. 

Bio Lebensmittel sind auch für sauberes Wasser wichtig

Auch Pes­ti­zi­de und Anti­bio­ti­ka haben im Wasser nichts zu suchen

Neben Nitrat im Wasser steht der Öko­land­bau auch bei Pestizid- sowie Anti­bio­ti­ka-Rück­stän­den deutlich besser da. Die bio­lo­gi­sche Land­wirt­schaft ver­zich­tet nämlich auf chemisch-syn­the­ti­sche Pflan­zen­schutz­mit­tel. Anti­bio­ti­ka kommt in der Bio-Tier­hal­tung nur in Aus­nah­me­fäl­len und geringen Mengen zum Einsatz. Beides sind eben­falls Pro­blem­stof­fe, die die Trink­was­ser­auf­be­rei­tung zusätz­lich erschweren.

Das Herbizid Atrazin ist seit fast 30 Jahren verboten. Es ist sehr schwer abbaubar und wird bis heute immer noch im Grund­was­ser nachgewiesen. 

Mehr Bio-Felder, mehr sauberes Wasser

Diesen Bio-Vorteil machen sich bereits lokale Was­ser­ver­sor­ger zu Nutze. Sie fördern die bio­lo­gi­sche Bewirt­schaf­tung der Felder im Ein­zugs­ge­biets ihrer Was­ser­ge­win­nung. Dadurch sind sowohl bei den Münchner Stadt­wer­ken, als auch beim Was­ser­werk Cunitz vor Leipzig die Nitrat­wer­te und somit der Säu­be­rungs­auf­wand des Grund­was­ser deutlich gesunken.

Das Grund­was­ser liefert in Deutsch­land etwa 75 Prozent unseres Trink­was­sers. Nitrat, Phosphat und Rück­stän­de von Pflan­zen­schutz­mit­teln sowie Arz­nei­mit­teln belasten das Grund­was­ser und damit unser Trink­was­ser. Indem wir Bio Lebens­mit­tel kaufen, kann auch jede/r einzelne einen Beitrag zu sauberem Wasser leisten.

Eine Flasche Wasser steht für sauberes Wasser ohne Nitrat

Wasser und Kli­ma­schutz – Welt­was­ser­tag 2020

Jedes Jahr steht am 22. März das Wasser weltweit im Fokus. „Wasser und Kli­ma­schutz“ lautet dieses Jahr das Motto des Welt­was­ser­tags. Durch den Kli­ma­wan­del werden Was­ser­knapp­heit und ‑ver­schmut­zung immer mehr zum Problem. Mehr zu diesem Thema und ob uns bald das Wasser ausgehen könnte, kannst du in meinem Beitrag Was­ser­knapp­heit: Wo ist bei Wasser eigent­lich das Problem? lesen.

 

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