Gemüse selber anbauen – mit diesen Tipps gelingt dein erster Gemüsegarten!

5. März 2021
Wo fange ich bloß an? Garten-Expertin Viktoria Heyn verrät ihre besten Tipps für Gemüsegarten Anfänger:innen.
Autor: Verena Hirsch

Verena Hirsch

In Sachen Gemüse selber anbauen bin ich blutige Anfän­ge­rin. Zwar bin ich bei der Ernte immer ganz vorne mit am Start, aber die Anzucht habe ich bislang immer anderen über­las­sen. Weil ich das ändern möchte, habe ich Viktoria Heyn ein paar Fragen gestellt. Als Garten-Expertin verrät sie mir, welche Sorten sich für Gemü­se­gar­ten Anfänger:innen eigenen, was Direkt­saat von Anzucht­saat unter­schei­det und was es beim Kauf von Jung­pflan­zen zu beachten gilt.

Gemüse selber anbauen: Mit diesem Tipps gelingt es garantiert

Gemüse selber anbauen: Wo fange ich bloß an?

Tat­säch­lich war letztes Jahr meine Moti­va­ti­on groß, Gemüse selber anzu­pflan­zen. Aller­dings war ich völlig planlos und über­for­dert. Das Ende vom Lied: Bis auf ein paar Blätter selbst­ge­zo­ge­ne Peter­si­lie kam nicht viel dabei rum.

Deshalb möchte ich es dieses Jahr anders machen und mich früh­zei­tig infor­mie­ren. Ich habe mir deshalb Rat von Viktoria geholt. In ihrem Garten gedeiht so ziemlich jedes hei­mi­sche Gemüse sowie Obst, das man sich vor­stel­len kann. Von A wie Auber­gi­ne bis Z wie Zwiebeln bezieht sie alles aus dem Garten.

Gemü­se­gar­ten Anfänger:innen auf­ge­passt: Damit mein Garten-Vorhaben dieses Jahr anders läuft, habe ich Viktoria ein paar Fragen rund um’s Gemüse selber Anpflan­zen gestellt.

Liebe Viktoria, jede Ernte beginnt mit dem Setzen des Saat­korns. Was ist dir bei der Auswahl deines Saat­gu­tes denn wichtig?

Viktoria: »Bei der Auswahl des Saat­gu­tes ist es mir wichtig auf bio­lo­gi­sche und samen­fes­te Sorten zu setzen. Sie werden direkt aus den Pflanzen gewonnen und gehören zum ältesten Zucht­ver­fah­ren der Mensch­heit. Im Gegen­satz zu Hybrid­sor­ten können samen­fes­te Sorten somit pro­blem­los abge­nom­men und vermehrt werden – auch von Hobbygärtner:innen. Hybrid­sor­ten sind das Ergebnis ver­schie­de­ner Kreu­zun­gen und dadurch leider nur auf eine Gar­ten­sai­son aus­ge­legt. In den gängigen Gärt­ne­rei­en und Bau­märk­ten sind sie leider immer noch in der Überzahl zu finden. Bei diesem Thema verweise ich immer gerne auf deine guten Blog­bei­trä­ge dazu: „Samen­fes­tes Saatgut: was ist das?“ und „Was du bisher nicht über Saatgut wusstest, aber unbe­dingt wissen solltest“

Aussaat-Plan: Wann muss welches Gemüse gepflanzt werden?

Bereits im Februar und März beginnt die Anzucht einiger Gemü­se­sor­ten. Das habe ich bereits in Vik­to­ri­as Buch Besser natur­be­wusst leben* gelernt. Dieses enthält sogar einen aus­führ­li­chen Aussaat-Kalender, wann welches Gemüse ange­pflanzt wird. Mehr über das infor­ma­ti­ve Buch, findest du hier in meiner aus­führ­li­chen Buch-Rezen­si­on.

Das Buch "Besser naturbewusst leben" liegt neben einer Tasse Kaffee auf einem Tisch

Welches Gemüse kannst du abso­lu­ten Sä-Anfänger:innen wie mich empfehlen? 

Viktoria: »Zual­ler­erst sollten sich Gemü­se­gar­ten Anfänger:innen mit den Begrif­fen Vorzucht und Direkt­saat befassen. Es gibt nämlich Sorten, die vor­ge­zo­gen werden, weil sie eine ziemlich lange Ent­wick­lung haben. Dazu gehören zum Beispiel Tomaten, die ungefähr von März bis Mai auf der Fens­ter­bank im Haus vor­ge­zo­gen werden. Sie sind sehr frost­emp­find­lich und sollten daher erst ab Mitte Mai ins Freiland umge­setzt werden. Die Direkt­saat beginnt bei den meisten Sorten ab April, dann werden die Samen direkt ins Beet im Freiland ausgesät.

Zum Einstieg in das Gar­ten­pro­jekt empfehle ich leichte Sorten, die direkt ausgesät und nicht vor­ge­zo­gen werden. So zum Beispiel Pflück­sa­la­te und andere Salat­mi­schun­gen, Kräuter, Radies­chen, Möhren, Mangold, Rote Beete, Spinat. Es gibt Sorten, die auch wir nach jah­re­lan­gen Erfah­run­gen nicht selbst vor­zie­hen, weil es nicht so einfach gelingt. Dazu zählen zum Beispiel Kopf­sa­la­te, Kohl­sor­ten und Gurken. Für den Einstieg in die Vor­an­zucht auf der Fens­ter­bank empfehle ich leichte Sorten wie Tomaten, Paprika, Auber­gi­nen, Zucchini und Kürbisse. Bei den anderen Sorten empfehle ich den Kauf von Pflanzen aus der Gärt­ne­rei oder vom Wochenmarkt.«

Gemüse selber anbauen: Tomaten erst auf der Fensterbank vorziehen

Was ist dein wich­tigs­ter Tipp, wenn man mit der eigenen Anzucht von Gemüse beginnen möchte? 

Viktoria: »Zu Beginn sollte man sich mit der jewei­li­gen Sorte befassen und die Angaben bezüg­lich Aussaat und Pflan­zung der Saattüte ent­neh­men. Der Unter­schied bei der Anzucht unter­schei­det sich nicht nur von der jewei­li­gen Frucht, sondern auch von den Sorten der jewei­li­gen Frucht. Die Ein­hal­tung der Zeit­räu­me sind wichtig, denn einige Pflanzen können erst nach den letzten Frösten ausgesät werden, meistens Mitte Mai. Wenn sie zu lange im Haus stehen, schießen sie immer weiter in die Höhe. Werden sie zu früh aus­ge­pflanzt, können sie bei nächt­li­chen Frösten erfrie­ren. Weitere wichtige Tipps sind: eine reich­hal­ti­ge, bio­lo­gi­sche und torf­freie Anzucht­er­de aus­wäh­len und belesen ob die jewei­li­ge Sorte nach ein paar Wochen pikiert, das heißt ver­ein­zelt werden muss.«

Gemüse selber anbauen: Für die Vorzucht eignet sich ein gebrauchter Eierkarton

Was es mit torf­frei­er Erde auf sich hat und warum diese für die Umwelt so wichtig ist, erfährst du in diesem Blog­ar­ti­kel von Tati auf incapitalletters.de.

Wie schon von dir erwähnt, gibt es auch die Mög­lich­keit Jung­pflan­zen zu kaufen. Worauf sollte man da beim Kauf achten?

Viktoria: »Genau, wie gesagt gelingt es uns auch nicht, alles selbst vor­zu­zie­hen. Es gibt bestimm­te Sorten, die wir jedes Jahr auf dem Wochen­markt kaufen. Dazu gehören Kopf­sa­la­te, Kohlrabi, Sellerie und Kohl­sor­ten. Beim Kauf achten wir darauf, dass sie aus der eigenen Pro­duk­ti­on der Händler:innen kommen. Wir möchten keine Mas­sen­wa­re beziehen, die lange Trans­port­we­ge zurück­ge­legt hat.

Zudem sollte man bio­lo­gi­sche Pflanzen bevor­zu­gen, welche man meist nur in Bio­gärt­ne­rei­en oder bei kleinen Händler:innen auf dem Markt findet. Ich empfehle aller­dings auch auf Tausch­märk­ten für Jung­pflan­zen und Stauden vor­bei­zu­schau­en. Hier können Pri­vat­per­so­nen ihre Pflanzen und damit auch ver­schie­de­nen Sorten unter­ein­an­der tauschen. Ein weiterer guter Tipp für beson­de­re Pflan­zen­sor­te sind Zei­tungs­an­zei­gen. Darüber findet man oft auch kleine Anbieter:innen, die bei­spiels­wei­se alte Sorten vor­zie­hen und für ein kleines Budget ver­kau­fen. Und das Gute bei bio­lo­gi­schen und samen­fes­ten Pflanzen: Ihr könnt hin­ter­her die Samen selbst abnehmen und euch im nächsten Jahr die Kosten für das Saatgut sparen.«

Kopfsalat und Kohlrabi anbauen: Lieber Jungpflanzen als eigene Vorzucht

Gemü­se­gar­ten für Anfänger – Lasst uns loslegen!

Ganz lieben Dank Viktoria für deine Ant­wor­ten und die hilf­rei­chen Tipps! Jetzt fühle ich mich auf jeden Fall besser gewapp­net für die Gar­ten­sai­son 2021. Ich werde mich auf jeden Fall an Radies­chen ver­su­chen und viel­leicht ein buntes Kräu­ter­beet anpflan­zen. Natür­lich werde ich euch dann berich­ten, wie es mit ergangen hat!

Folgt mir gerne auf Insta­gram und Facebook, um nichts mehr zu ver­pas­sen! Bis wir das erste frische Gemüse ernten können, findest du hier eine über­sicht­li­che Liste mit sai­so­na­lem Gemüse und Obst im Winter.

 

Fotos: Verena Müller, Viktoria Heyn

 

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