Ist Natur­kos­me­tik wirklich besser?

von Jul 7, 2018Saisonal & Regional

Ein Blick entlang der Dro­ge­rie­re­ga­le lässt schnell erkennen, dass es für nahezu jedes Produkt auch eine grünere Alter­na­ti­ve zu kaufen gibt. Diese ist etwas kost­spie­li­ger, aber ver­spricht im Gegenzug natürlich(er) zu sein. Worin liegt bei Natur­kos­me­tik konkret der Unter­schied? Viel­leicht ohne Tierleid oder bio oder einfach healthy oder was?

Keine gesetz­li­che Defi­ni­ti­on 

Bislang ist in Deutsch­land der Begriff Natur­kos­me­tik nicht gesetz­lich defi­niert und geschützt. Das schafft Raum für viele Inter­pre­ta­tio­nen, wovon die Kos­me­tik­in­dus­trie reich­lich Gebrauch macht. Nach­hal­ti­ge und­öko­lo­gi­sche Pfle­ge­pro­duk­te sind längst keine Nische mehr, sodass viele Marken ihr Produkt “ohne xy” und mit ver­schie­de­nen Siegeln anprei­sen. Hier lauert die Gefahr des “Green­wa­shings” — eine beliebte Methode, um Ver­brau­chern mehr Natür­lich­keit zu sug­ge­rie­ren, obwohl keine ver­trau­ens­wür­di­ge Prüfung vorliegt.

Klarheit bei Natur­kos­me­tik-Siegel

Also ist im End­ef­fekt doch alles das Gleiche? Nein, das absolut nicht! Viele Her­stel­ler sind darum bemüht, mög­lichst natur­be­las­se­ne Produkte aus nach­hal­ti­ger Pro­duk­ti­on auf den Markt zu bringen. Es gibt daher frei­wil­li­ge Ver­ei­ni­gun­gen, die mit Güte­sie­geln Klarheit für die Kon­su­men­ten schaffen. Hier sind mine­ral­öl-basierte Roh­stof­fe wie bei­spiels­wei­se Parabene, Silikone und PEG’s verboten. Außerdem wird garan­tiert, dass die Pro­du­zen­ten den öko­lo­gi­schen Pflan­zen­an­bau fördern und nach­hal­tig handeln. Um ein Pseudo-Natur­pro­dukt von strengen Zer­ti­fi­zie­run­gen zu unter­schei­den, bedarf es einer inten­si­ven Sie­gel­kun­de. Um etwas Licht ins Dunkle zu bringen, stelle ich Dir die wich­tigs­ten eta­blier­ten Natur­kos­me­tik-Labels vor, bei denen Du beruhigt zugrei­fen kannst!

 

Demeter ist einer der strengs­ten bio­lo­gi­schen Anbau­ver­bän­de. Produkte, die dieses Label tragen, müssen min­des­tes aus 90% bio- dyna­mi­schen Erzeug­nis­sen bestehen. Bio­lo­gisch-dyna­misch bedeutet, dass ein land­wirt­schaft­li­cher Betrieb als ein Orga­nis­mus mit eigener Cha­rak­te­ris­tik ange­se­hen wird. Dieses Siegel bestä­tigt die Bio-Qualität der Pfle­ge­pro­duk­te (Bio­kos­me­tik). Bei­spiels­wei­se tragen die Produkte von Martina Gebhardt dieses Siegel, welches als strengs­te Zer­ti­fi­zie­rung bei natür­li­chen Pfle­ge­pro­duk­ten gilt.

Die inter­na­tio­na­le Non-Profit-Orga­ni­sa­ti­on NaTURE vergibt Qua­li­täts­sie­gel für echte Natur­kos­me­tik. Hier wird beim Standard in drei Klas­si­fi­zie­run­gen unter­schie­den: Natur­kos­me­tik, Natur­kos­me­tik mit Bio-Anteil und Bio­kos­me­tik. Bei Ersterem müssen die Inhalts­stof­fe natür­li­chen, natur­na­hen oder natur­iden­ti­schen Ursprungs sein, aller­dings nicht aus bio­lo­gi­schem Anbau. Die zweite Stufe erfor­dert min­des­tens 70% der Inhalts­stof­fe aus kon­trol­liert öko­lo­gi­schem Anbau (Natur­kos­me­tik mit Bio-Anteil). Bei Bio­kos­me­tik müssen min­des­tens 95% der Inhalts­stof­fe aus kon­trol­liert bio­lo­gi­schem Anbau sein. Dieses Siegel tragen bei­spiels­wei­se Lavera, Pri­ma­ve­ra, Dr. Hauschka, etc.

Neben NaTRUE ist auch BDIH eine populäre Öko-Kosmetik-Zer­ti­fi­zie­rung in Deutsch­land. Produkte mit diesem Siegel bestä­ti­gen reine Natur­kos­me­tik, dass deren Inhalts­stof­fe soweit wie möglich aus kon­trol­liert bio­lo­gi­schem Anbau bzw. Wild­samm­lung stammen. Ein gela­bel­tes Kos­me­tik­pro­dukt darf zusätz­lich die Bezeich­nung “bio” tragen, wenn min­des­tens 95% der Bestand­tei­le bio­lo­gisch sind.

Das in Frank­reich gegrün­de­te inter­na­tio­na­le Label ECOCERT vergibt ihre Siegel in zwei ver­schie­de­nen Abstu­fun­gen: Für die Zer­ti­fi­zie­rung als Natur­kos­me­tik müssen 50% der pflanz­li­chen Bestand­tei­le und 5% der Roh­stof­fe aus kon­trol­liert bio­lo­gi­scher Herkunft sein. Bio­kos­me­tik erfor­dert 95% der pflanz­li­chen Inhalts­stof­fe sowie 10% der Roh­stof­fe aus bio­lo­gi­schem Anbau. Bei dieser Sie­gel­ver­ga­be wird außerdem auch die Ver­pa­ckung auf nach­hal­ti­ge und umwelt­freund­li­che Mate­ria­li­en geprüft.

TIERVERSUCHFREI & VEGAN

Zu unter­schei­den gilt es außerdem vegane und tier­ver­suchs­freie Kos­me­tik­ar­ti­kel.
Folgende Siegel zer­ti­fi­zie­ren ein tier­ver­suchs­frei­es Produkt! Aller­dings müssen die Inhalts­stof­fe gleich­zei­tig nicht zwingend vegan (durch Milch, Honig, Wachs) sein. Keine Tier­ver­su­che sowie keine tie­ri­schen Inhalts­stof­fe bestä­tigt die Veg­an­blu­me.

Grund­sätz­lich sind Tier­ver­su­che für Kos­me­ti­ka in Europa verboten, aber es finden sich auch hier Schlupf­lö­cher. Auf der sicheren Seite bist Du bei den auf­ge­zeig­ten Siegeln. Natur­kos­me­tik-Marken müssen sich natür­lich genauso an die gesetz­li­chen Vorgaben (inkl. Schlupf­lö­cher) halten. Deshalb empfehle ich Dir auf die auf­ge­führ­ten eta­blier­ten Zer­ti­fi­zie­run­gen zu achten. Oft findest Du auch mehrere Prüf­sie­gel in Kom­bi­na­ti­on für noch mehr Klarheit.

Deine Prio­ri­tä­ten 

Natur­kos­me­tik ist also nicht gleich Natur­kos­me­tik. Unterm Strich kommt es auf Deine Ansprü­che und Erwar­tun­gen an die Produkte an, ob es sich wirklich um die “bessere” Wahl handelt! Mehr Natur­be­las­sen­heit, kon­trol­liert bio­lo­gi­sche Erzeug­nis­se, vegan, nach­hal­ti­ge Ver­pa­ckung,.. — all diese Punkte gewähr­leis­ten einzeln oder kumu­la­tiv ver­schie­de­ne Zer­ti­fi­zie­run­gen. Wie in jeder Branche gibt es auch hier “schwarze Schafe”, die ledig­lich mehr Natür­lich­leicht vor­gau­keln! Also genau hin­schau­en, hin­ter­fra­gen und infor­mie­ren!

Ich hoffe mit diesem Beitrag zu etwas mehr Auf­schluss beim Thema Natur­kos­me­tik bei­tra­gen zu können. Meine Anfüh­run­gen sind kei­nes­wegs abschlie­ßend, denn alle Zer­ti­fi­zie­run­gen sind sehr viel­schich­tig.
Alles Liebe
Verena

 

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