Ein Blick entlang der Drogerieregale lässt schnell erkennen, dass es für nahezu jedes Produkt auch eine grünere Alternative zu kaufen gibt. Diese ist etwas kostspieliger, aber verspricht im Gegenzug natürlich(er) zu sein. Worin liegt bei Naturkosmetik konkret der Unterschied? Vielleicht ohne Tierleid oder bio oder einfach healthy oder was?

Keine gesetzliche Definition 

Bislang ist in Deutschland der Begriff Naturkosmetik nicht gesetzlich definiert und geschützt. Das schafft Raum für viele Interpretationen, wovon die Kosmetikindustrie reichlich Gebrauch macht. Nachhaltige undökologische Pflegeprodukte sind längst keine Nische mehr, sodass viele Marken ihr Produkt “ohne xy” und mit verschiedenen Siegeln anpreisen. Hier lauert die Gefahr des “Greenwashings” – eine beliebte Methode, um Verbrauchern mehr Natürlichkeit zu suggerieren, obwohl keine vertrauenswürdige Prüfung vorliegt.

Klarheit bei Naturkosmetik-Siegel

Also ist im Endeffekt doch alles das Gleiche? Nein, das absolut nicht! Viele Hersteller sind darum bemüht, möglichst naturbelassene Produkte aus nachhaltiger Produktion auf den Markt zu bringen. Es gibt daher freiwillige Vereinigungen, die mit Gütesiegeln Klarheit für die Konsumenten schaffen. Hier sind mineralöl-basierte Rohstoffe wie beispielsweise Parabene, Silikone und PEG’s verboten. Außerdem wird garantiert, dass die Produzenten den ökologischen Pflanzenanbau fördern und nachhaltig handeln. Um ein Pseudo-Naturprodukt von strengen Zertifizierungen zu unterscheiden, bedarf es einer intensiven Siegelkunde. Um etwas Licht ins Dunkle zu bringen, stelle ich Dir die wichtigsten etablierten Naturkosmetik-Labels vor, bei denen Du beruhigt zugreifen kannst!

 

Demeter ist einer der strengsten biologischen Anbauverbände. Produkte, die dieses Label tragen, müssen mindestes aus 90% bio- dynamischen Erzeugnissen bestehen. Biologisch-dynamisch bedeutet, dass ein landwirtschaftlicher Betrieb als ein Organismus mit eigener Charakteristik angesehen wird. Dieses Siegel bestätigt die Bio-Qualität der Pflegeprodukte (Biokosmetik). Beispielsweise tragen die Produkte von Martina Gebhardt dieses Siegel, welches als strengste Zertifizierung bei natürlichen Pflegeprodukten gilt.

Die internationale Non-Profit-Organisation NaTURE vergibt Qualitätssiegel für echte Naturkosmetik. Hier wird beim Standard in drei Klassifizierungen unterschieden: Naturkosmetik, Naturkosmetik mit Bio-Anteil und Biokosmetik. Bei Ersterem müssen die Inhaltsstoffe natürlichen, naturnahen oder naturidentischen Ursprungs sein, allerdings nicht aus biologischem Anbau. Die zweite Stufe erfordert mindestens 70% der Inhaltsstoffe aus kontrolliert ökologischem Anbau (Naturkosmetik mit Bio-Anteil). Bei Biokosmetik müssen mindestens 95% der Inhaltsstoffe aus kontrolliert biologischem Anbau sein. Dieses Siegel tragen beispielsweise Lavera, Primavera, Dr. Hauschka, etc.

Neben NaTRUE ist auch BDIH eine populäre Öko-Kosmetik-Zertifizierung in Deutschland. Produkte mit diesem Siegel bestätigen reine Naturkosmetik, dass deren Inhaltsstoffe soweit wie möglich aus kontrolliert biologischem Anbau bzw. Wildsammlung stammen. Ein gelabeltes Kosmetikprodukt darf zusätzlich die Bezeichnung “bio” tragen, wenn mindestens 95% der Bestandteile biologisch sind.

Das in Frankreich gegründete internationale Label ECOCERT vergibt ihre Siegel in zwei verschiedenen Abstufungen: Für die Zertifizierung als Naturkosmetik müssen 50% der pflanzlichen Bestandteile und 5% der Rohstoffe aus kontrolliert biologischer Herkunft sein. Biokosmetik erfordert 95% der pflanzlichen Inhaltsstoffe sowie 10% der Rohstoffe aus biologischem Anbau. Bei dieser Siegelvergabe wird außerdem auch die Verpackung auf nachhaltige und umweltfreundliche Materialien geprüft.

TIERVERSUCHFREI & VEGAN

Zu unterscheiden gilt es außerdem vegane und tierversuchsfreie Kosmetikartikel.
Folgende Siegel zertifizieren ein tierversuchsfreies Produkt! Allerdings müssen die Inhaltsstoffe gleichzeitig nicht zwingend vegan (durch Milch, Honig, Wachs) sein. Keine Tierversuche sowie keine tierischen Inhaltsstoffe bestätigt die Veganblume.

Grundsätzlich sind Tierversuche für Kosmetika in Europa verboten, aber es finden sich auch hier Schlupflöcher. Auf der sicheren Seite bist Du bei den aufgezeigten Siegeln. Naturkosmetik-Marken müssen sich natürlich genauso an die gesetzlichen Vorgaben (inkl. Schlupflöcher) halten. Deshalb empfehle ich Dir auf die aufgeführten etablierten Zertifizierungen zu achten. Oft findest Du auch mehrere Prüfsiegel in Kombination für noch mehr Klarheit.

Deine Prioritäten 

Naturkosmetik ist also nicht gleich Naturkosmetik. Unterm Strich kommt es auf Deine Ansprüche und Erwartungen an die Produkte an, ob es sich wirklich um die “bessere” Wahl handelt! Mehr Naturbelassenheit, kontrolliert biologische Erzeugnisse, vegan, nachhaltige Verpackung,.. – all diese Punkte gewährleisten einzeln oder kumulativ verschiedene Zertifizierungen. Wie in jeder Branche gibt es auch hier “schwarze Schafe”, die lediglich mehr Natürlichleicht vorgaukeln! Also genau hinschauen, hinterfragen und informieren!

Ich hoffe mit diesem Beitrag zu etwas mehr Aufschluss beim Thema Naturkosmetik beitragen zu können. Meine Anführungen sind keineswegs abschließend, denn alle Zertifizierungen sind sehr vielschichtig.
Alles Liebe
Verena