Wasserknappheit: Wo ist bei Wasser eigentlich das Problem?

Wasserknappheit: Wo ist bei Wasser eigentlich das Problem?

Nasse Ressourcen gibt es auf unserem blauen (!) Planeten eigentlich mehr als genug – über zwei Drittel der Erdoberfläche ist mit Wasser bedeckt. Nach Wasserknappheit klingt das nicht gerade. Allerdings handelt es sich dabei überwiegend um Salzwasser. Gerade einmal 0,3 Prozent des weltweiten Wasservorkommens ist trinkbar. Ungleiche Verteilung, Verschmutzungen, wachsende Bevölkerung und zunehmende Dürreperioden geben Anlass zur Sorge ums Wasser.

Mit dem Roman “Die Geschichte des Wassers”* greift auch die Bestseller-Autorin Maja Lunde nach “Der Geschichte der Bienen” das Wasser als Grundelement des Lebens auf. Im zweiten Teil ihres geplanten Klima-Quartetts erfährt Europa im Jahre 2041 eine extreme Dürreperiode. Viele Südeuropäer fliehen aufgrund von Wasserknappheit nach Skandinavien. Kann eine derartige Klimaflucht wirklich bald zur Realität werden?

Wasserknappheit: So fern und doch so nah?

Im Alltag machen wir uns aktuell keine Sorgen ums Wasser. Aus unseren Hähnen fließt sauberes Trinkwasser ohne Limit – von Wassernotständen keine Spur. Doch denken wir mal an vergangenen Sommer: Die Hitzeperiode führte in Deutschland zu ausgedörrten Böden, ließ Flüsse austrocknen und in manchen Gemeinden sogar den Notstand ausrufen. Zum Teil mussten Tanklaster die Trinkwasserversorgung sichern; ein Bild, das wir so nur aus Entwicklungsländern kennen.

Auch für mich war Wasser lange Zeit nichts worüber ich mir groß Gedanken machte. Klar, Wasser sparen beim Duschen und Zähneputzen, aber ein tieferes Bewusstsein hatte ich nicht dafür.

Bottled water: Wie Nestlé & co. Geschäfte mit Wasser machen

Auch ohne spezifische Recherchen wird bereits jede/r schon einmal gehört haben, dass mit Nestlé und Wasser etwas im Busch ist. Den großen Trinkwasser-Produzenten wird vorgeworfen, Bevölkerungen durch Anzapfen der Quellen das Wasser wegzunehmen. In dem Film “Bottled Life” dokumentierte der Filmemacher Res Gehriger, wie in einem pakistanischen Dorf nahe den Wasser-Zapfsäulen von Nestlé der Grundwasserspiegel so stark sank, dass eine ganze Reihe von Brunnen versiegte. Zunächst wies Nestlé die Vorwürfe zurück, sorgte dann aber im Dorf für einen neuen Tiefbrunnen und eine Aufbereitungsanlage. 

 

© Steve Johnson on Unsplash

Es ist nur ein Beispiel von vielen. Allein in Südafrika hat Nestle elf Standorte. Dazu kommt die Absurdität, das “geklaute” Wasser in Plastikflaschen zu füllen und auf der ganzen Welt zu verkaufen – der westliche Plastikwahn lässt grüßen. Auch ich hab bis vor ein paar Jahren noch selbstverständlich Wasser aus Plastikflaschen gekauft und getrunken. Als ich mich immer intensiver mit der ökologischen Landwirtschaft beschäftigt habe, bin ich schließlich auch auf das Thema Wasser gestoßen.

Grundwasserbelastung: Nitratwerte steigen stetig 

Deutsche Böden übersteigen an vielen Messstellen die Grenzwerte für Nitrat. Laut einem Bericht der EU-Kommission liegen die Nitratwerte in Deutschland im europäschen Vergleich auf Platz zwei – lediglich Malta ist noch mehr mit Nitrat belastet.

Nitrate sind chemische Verbindung aus Stickstoff und Sauerstoff. Sie sind wichtige Nährstoffe für Pflanzen. Im menschlichen Körper kann Nitrat zu Nitrit umgebaut werden, das zu Durchblutungsstörungen führt und im Verdacht steht, krebserregend zu sein.


Nitratbelastung: Das Problem der Überdüngung

Die hohe Nitratkonzentration in Böden und Grundwasser kommt vor allem von den künstlichen Düngemittel sowie Gülle in der (industriellen) Landwirtschaft. Das bedeutet nicht, dass Düngung grundsätzlich schlecht wäre – es kommt immer auf die Art von Dünger und die Menge an.

Nitrat fördert außerdem das Algenwachstum in Seen und Flüssen. Das verschlechtert die Wasserqualität erheblich. Außerdem wird Tieren und Pflanzen wichtiger Lebensraum weggenommen. Laut der Bundesregierung sei lediglich jeder vierte See in Deutschland in einem unbedenklichen Zustand.

Wird Trinkwasser bald teurer?

Grundsätzlich ist die Qualität unseres Trinkwassers von der Nitratbelastung nicht gefährdet. Allerdings wird die Aufbereitung dadurch stetig umfangreicher und kostenintensiver. Bereits 2017 stellte das Umweltbundesamt in einer Studie in Aussicht, dass das Trinkwasser aufgrund der hohen Nitratbelastung deutlich teurer werden könnte.

Von möglicher Wasserknappheit auch in Europa hatte ich zum ersten Mal auf dem hamburg.bio Nachhaltigkeitskongress im April letzten Jahres gehört. Tobias Bandel von Soil and More stellte in Aussicht, dass Unternehmen wie Brauereien bald das Wasser ausgehen werde. Diese Aussage war für mich damals überhaupt nicht greifbar und verständlich.

 

© Manu Schwendener on Unsplash

 

Meine Konsequenzen aus dem Wasserproblem

Abgefülltes Wasser versuche ich so gut es geht zu vermeiden. Von Nestlé oder Danone abgefüllte Flaschen boykottiere ich strikt. Allerdings muss ich auch zugeben, dass es mir schwer fällt, ausschließlich stilles Leitungswasser zu trinken. Hin und wieder greife ich daher auch Wasser in Glasflaschen zurück. Dabei erkundige mich genau nach dessen Herkunft und Produktion. 

Das Problem mit Nitrat war mir nicht neu. Allerdings war ich mir auch nicht bewusst, welche gravierende Ausmaße es bereits angenommen hat. Für mich ist es eine Bestätigung, überwiegend biologisch erzeugte Lebensmittel zu kaufen und so wenig tierische Produkte wie möglich zu konsumieren.

Mich würde sehr interessieren, wie Ihr zum Thema Wasser steht! Lasst es mich doch gerne in den Kommentaren wissen!

 

 

HEYO! Granola: Das erste soziale Bio-Müsli im Glas

HEYO! Granola: Das erste soziale Bio-Müsli im Glas

HEYHO Granola macht Schluss mit Fließbandproduktion, Verpackungswahn und sozialer Ausgrenzung. In der Lüneburger Granola-Manufaktur rösten die Granola-Aktivisten Christian, Stefan und Tim mit ihrem Team Müslis in Handarbeit. Die Zutaten sind biologisch und großteils aus der Region. Die soziale Müslirösterei öffnet außerdem gesellschaftlich benachteiligten Menschen die Tür zur Teilhabe am Arbeitsleben. Ich habe mit Christian über’s Frühstücken, das bunte HEYHO Granola Team und Wachstum mit Grenzen gesprochen.

Christian, beim Thema Frühstück scheiden sich ja oft die Geister. Kann ein Granola Aktivist überhaupt ohne Frühstück das Haus verlassen?

Ich kann kurz ohne Frühstück aus dem Haus gehen, aber wo auch immer ich dann ankomme, muss ich tatsächlich erstmal frühstücken – am liebsten dann natürlich ein HEYHO Granola, man muss ja immer schauen, dass die Qualität stimmt.

Warum sollte ausgerechnet HEYHO Granola auf dem Frühstücktisch stehen?

Weil man sich mit unseren verrückten Sorten nicht nur sich selbst eine Freude machen kann, sondern auch den Leuten, die in der Produktion bei HEYHO arbeiten. Wir bauen einen bunten Produktionsstandort auf, wo wir für Menschen Perspektiven schaffen, die vom Jobmarkt ausgeschlossen sind. Je mehr Menschen HEYHO Granola essen, umso mehr Müsli können wir rösten und umso mehr Leute können wir beschäftigen.

Woher kommt dieser soziale Ansatz, gesellschaftlich benachteiligte Menschen zu beschäftigen?

Grundsätzlich haben wir bei HEYHO! den tiefen Wunsch nach mehr Fairness in der Gesellschaft. Wir leben in einer Welt, wo doch jeder ahnt: so kann es einfach nicht weitergehen. Wir wollen einfach zeigen, dass es auch anders gehen kann. Mit HEYHO! wollen wir beweisen, dass die Welt zwar nicht das vierhundertste Müsli braucht, aber ein anderes Wirtschaften. Mit einer klaren sozialen Zielsetzung bringen wir wieder mehr Abwechslung ins Müslisegment, dazugegeben ziemlich verstaubt ist. Durch einen guten Zufall haben Tim und ich Stefan kennengelernt. Er arbeitet seit 20 Jahren in der Wohnungslosenhilfe. Dadurch kam die konkrete Idee, mit dem Projekt wieder Perspektiven für Menschen zu schaffen, die aufgrund ihrer Lebensgeschichte vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen sind.

 

“Es gibt tausend Gründe, warum Menschen an Grenzen stoßen und keine Chance mehr auf eine fair bezahlte Anstellung bekommen.”

Seht ihr euch als Vorreiter in Sachen Verantwortung der Unternehmen für Mitarbeiter?

Vorreiter wär vielleicht etwas zu dick aufgetragen. Wir wollen einfach beweisen, dass man mit Vertrauen, Wertschätzung und Offenheit ganz viel Positives bei Menschen bewirken kann. Bei HEYHO Granola schaffen wir einen Ort, an dem Menschen, die vielleicht noch nie Wertschätzung erfahren haben, fair bezahlt werden und wo jemand sagt „Cool, dass du da bist“. Wir sind überzeugt, dass jeder etwas kann und tief drinnen auch den Wunsch verspürt, etwas zu machen. Sieben Tage Sonntag sind eben auch kein Highlight. Jeder Mensch will doch Teil von etwas sein und sich einbringen. Das ist der Antrieb, warum wir zur Arbeit gehen. Das ist ein wichtiger Grund, warum wir zur Arbeit gehen. Neben dem finanziellen Aspekt geht es am Ende doch um Wertschätzung und Teilhabe. Wenn wir da andere Unternehmen inspirieren können nehmen wir die Vorreiterrolle gerne an.

Du hast bereits erwähnt, dass HEYHO mit einem sehr bunten Team in der Rösterei steht. Wer gehört denn zu Eurer Crew?

Bei HEYHO! arbeiten Menschen aus den verschiedensten Himmelsrichtungen des Lebens. Es gibt tausend Gründe warum Menschen an Grenzen stoßen und keine Chance mehr auf eine fair bezahlte Anstellung bekommen. Wir kramen nicht in der Vergangenheit, sondern schauen nach vorne und fragen, worauf die Mitarbeiter*innen inhaltlich Lust haben und wo sie weiter kommen wollen. Bei uns ist es egal, was die Leute vorher gemacht haben. Wir schauen, worauf die Mitarbeiter*innen inhaltlich Lust haben zu arbeiten und wo sie weiterkommen wollen.

Milad ist z.B. vor drei Jahren aus dem Iran geflohen und hatte es aufgrund von Sprachbarrieren und mangelnder Ausbildung sehr schwer, einen Job zu finden. Bei HEYHO! sorgt er für gute Stimmung in der Produktion und packt bei allen Schritten in der Produktion mit an. Ohne Milad geht nix. Dieses Jar werden wir ihn hoffentlich fest anstellen können, das ist unser großes Ziel.

Dann arbeiten wir z.B. noch mit Karl (Name geändert). Aufgrund einer Depressionserkrankung ist er schon länger aus dem Arbeitsleben raus – frühverrentet mit Anfang 30, also echt noch jung. Karl braucht viel Ordnung und klare Strukturen. Deshalb schmeißt er bei uns das Versandlager und hilft, Ordnung in unseren Chaoshaufen zu bringen. Bei uns arbeiten auch noch Studierende der Uni Lüneburg, die lieber mit uns Müsli rösten, anstatt zu kellnern.

Die Vielfalt der Charaktere trägt eben wesentlich zur Stimmung in der Rösterei bei. mit. Ganz ehrlich: Am Ende hat doch jeder einen weg von uns. Es gibt keinen, der komplett knusper ist. (kurzer Lachflash beiderseits) Am Ende muss es natürlich funktionieren, aber eben immer auch Spaß machen. Wenn’s Spaß macht, kommt der Rest schon von alleine.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie schwierig es beispielsweise ist, mit psychischen Krankheiten in der Arbeitswelt Fuß zu fassen und diese Teilhabe zu erfahren. Wie erlebt Ihr die Zusammenarbeit?

Bisher sammeln wir sehr positive Erfahrungen. Aus dem Bereich der Wohnungslosenhilfe haben wir tolles Feedback von den Betreuern. Seitdem J. und T. bei uns arbeiten – auch wenn sie nur zweimal die Woche kommen – sind sie Teil von HEYHO Granola. Das macht einfach viel Gutes mit den beiden. Für Karl, der eher Team Ordnungsliebhaber ist, ist so ein leicht chaotisches Startup wie HEYHO! auch eine Herausforderung. Wenn er sagt “Boah Jungs, ihr müsst mehr Ordnung rein bringen!”, sagen wir “Ja geil, hilf uns dabei! Du bist der Ordnungsprofi!” Wir kehren das dann sozusagen um.

Wenn sich jemand nicht gut fühlt, dann muss er auch nicht kommen. Er muss nur rechtzeitig Bescheid geben und dann ist es auch ok. Wir haben viel Geduld und Verständnis. Schließlich wollen wird ja dabei helfen, gute Potentiale zu entfalten. Das geht eben nicht an jedem Tag, das wissen wir.

Nach dem Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit, sollten Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt stets gleichermaßen berücksichtig werden. Euer Konzept ist der Beweis, dass das möglich ist. Was hindert die meisten Unternehmen daran, diese Schritte ebenfalls zu gehen?

Ich glaube, es ist eine Profitgetriebenheit aufgrund von Aktionärsstrukturen. Viele Betriebe, die einmal mit guten Ideen gegründet wurden, gehören am Ende nicht mehr den Menschen, die den Betrieb eigentlich am Laufen halten. Hier kommen Interessen dazu, die immer nur auf Wachstum, Wachstum, Wachstum ausgerichtet sind. Ja, wir müssen wachsen und eine gewisse Größe haben, damit sich das ganze Projekt trägt. Aber auch das hat eben seine Grenzen. Allein der Gedanke, dass Wachstum Grenzen haben kann, ist in unserer heutigen Zeit völlig fremd.

Wir glauben, dass man einen Betrieb vernünftig und lieber langsam aufbauen sollte, anstatt schnell zu wachsen und wichtige Aspekte wie z.B. die Mitarbeiterzufriedenheit hinten runter fallen zu lassen. Firmen sollten sich klar werden, was eigentlich ihr Zweck ist – außer Wachstum und Geldvermehrung. In vielen Bereichen findet da gerade ein Wandel statt, weil die Menschen keinen seelenlosen Mist mehr kaufen wollen. Was man nicht vergessen darf: Wir leben in einer krassen Überflussgesellschaft. Dennoch kann man innerhalb dieser mit gutem Beispiel vorangehen und es anders machen. Dafür treten wir mit HEYHO! an. 

 

Die HEYHO Granola Sorten
LATE NIGHT BREAKFAST mit Schokolaugenbrezeln
– FRÜHSPORTFREUNDE mit Kokosnuss-Chunks und Himbeeren
– SALTICITY ORIGINAL mit karamellisierten Nüssen und Lüneburger Salz
– GOLDEN CHAICHAI mit Kurkuma, Zimt und Ingwer

Pssst: Im Sommer erscheint eine neue Sorte mit fruchtiger Ananas! 

HEYHO Granola – alles andere ist Müsli

Ich treffe die Granola-Aktivisten bereits zum zweiten Mal auf der BIOFACH in Nürnberg. Was sofort am bunten Stand auffällt: Der Spaß und das Miteinander stehen immer im Mittelpunkt. Die soziale Müslirösterei bezieht ihren Hafer aus der Region um Lüneburg. Auch die Zutaten, die nicht in Deutschland beheimatet sind, wählt HEYHO mit viel Bedacht aus. Die Idee, das fertige Müsli in Gläser zu verpacken, entstand eigentlich aus der Not heraus. “Wir hatten einen Testverkauf in einer Walldorfschule. Kartons hätten wir in dieser Zeit nie cool bemalen können und haben dann einfach Gläser genommen.”, erzählt mir Christian. “Auf dem Markt war die Resonanz auf das Glas so krass positiv, dass wir beim Glas geblieben sind.”

“Recycle oder mach was Schönes damit! Peace.”

HEYHO Granola arbeitet auch mit Unverpacktläden zusammen. Dort können die bunten Müsligläser dann ganz einfach wieder aufgefüllt werden. Der Aufdruck “Recycle oder mach was Schönes damit! Peace.” erinnert die Kunden*innen daran, verantwortungsbewusst mit der Verpackung umzugehen. Christian hat auch paar Upcycling-Tipps parat: “Die Gläser machen sich super als Aufbewahrungsgefäße in der Küche. Man kann auch einfach eine Kerze reinstellen oder eine Lampe daraus basteln.”

 

Du findest HEYHO! klasse und möchtest das coole Müsli-Team unterstützen? Dann schau doch gerne in Deinem nachten Alnatura vorbei. Hier findest Du den ganzen März über alle leckeren Sorten in den Regalen. Wenn genug Gläserner den Ladentisch gehen, hat HEYHO Granola die Chance auf eine Listung in den Alnatura-Märkten. Das würde ihnen beim Aufbau der sozialen Müslirösterei enorm helfen.

“Bei HEYHO! stellen wir keine Leute an, um Granola zu rösten. Wir rösten Granola, um Menschen einzustellen.”

(VH)

Bio in Plastik: wie passt das zusammen?

Bio in Plastik: wie passt das zusammen?

Dass wir ein Plastik-Problem haben, liegt auf der Hand. Doch wirklich weniger werden die ganzen Verpackungen trotzdem nicht. Bio Lebensmittel werben damit, besonders nachhaltig und gut für die Umwelt zu sein. Dennoch wird ein Großteil der Produkte in Kunststoff eingehüllt. Bio und Plastik – passt das denn überhaupt zusammen? Auf der Suche nach umweltfreundlichen Verpackungen

©Fikri Rasyid on Unsplash

 

Wie Du vielleicht bereits auf dem allmydeer-Instagram-Account mitbekommen hast, war ich Mitte Februar auf der BIOFACH/VIVANESS in Nürnberg unterwegs. Das ist die Weltleitmesse für Bio-Lebensmittel und Naturkosmetik. Anstatt auf Produktneuheiten (was gibt es heutzutage noch nicht?) waren meine Augen eher auf die Verpackungen der ausgestellten Produkte gerichtet. Seit Jahren “bemühe man sich um Lösungen”, um die Plastikverpackungen zu reduzieren – aber wirkliche Taten folgten bislang kaum. Dieser Artikel kann der ganzen Verpackungsproblematik in keinster Weise gerecht werden. Aufgrund einiger Rückfragen von Leser*innen werden einzelne Aspekte aufgegriffen und näher erläutert.

 

Bio-Obst und Gemüse in Plastik

Besonders in konventionellen Supermärkten sowie Discountern fällt auf, dass die Bio-Ecke der Obst- und Gemüseabteilung ein nahezu flächendeckendes Kunstoffkleid trägt – von den Äpfeln über die Tomaten bis hin zu den Bananen. Warum ausgerechnet die Bio-Abteilung in Plastik eingepackt wird, hat verschiedene Gründe:

  • Verwechslungen vermeiden: bietet ein Supermarkt sowohl konventionelle als auch biologische Ware an, muss es für Kunden*innen sowie Kassierer*innen eindeutig erkennbar sein, ob die Gurke nun bio ist oder nicht.
  • Kontamination: die Verpackungen sollen vorbeugen, dass Bio-Ware mit Pestizid-Rückständen von konventionellen Produkten in Berührung kommt.
  • Transport: bei “Discounter-Bio” steht Regionalität oftmals nicht an erster Stelle. Deshalb werden viele Produkte importiert und müssen dafür verschiedene Stationen durchlaufen. Die Verpackung soll sie dabei schützen.
  • Weniger Volumen: Das Bio-Segment nimmt in Supermärkten nur einen kleinen Teil des Obst- und Gemüseangebots ein. Daher ist es zur Kennzeichnung für die Supermarktketten preisgünstiger, die Bio-Produkte anstatt die konventionelle Ware in Plastik zu verpacken.

Die Diskussion, ob die nun die unverpackte konventionelle Gurke jetzt besser ist als die eingeschweißte Bio-Gurke, würde den Rahmen dieses Beitrag sprengen. Positiv zu vermerken ist, dass auf Druck der Öffentlichkeit vermehrt Lasertechniken zur Kennzeichnung von beispielsweise Mangos, Kürbissen oder Süßkartoffeln eingesetzt werden. Auch die Supermarktkette REWE hat reagiert und bietet jetzt das ganze Jahr über Bio-Gurken mit einem kleinen Aufkleber anstatt Plastikummantelung an. Das Plastik-Bio-Dilemma in der Obst- und Gemüseabteilung lässt sich vermeiden, indem man soweit es geht Bioläden aufsucht, die ausschließlich biologisches Sortiment führen.

 

Bio bedeutet nicht Zero Waste

In dem Beitrag über die Notwendigkeit von Bio Produkten habe ich anhand der umstrittenen Gurke in Plastik bereits angeschnitten, was Bio grundsätzlich ausmacht. Die Bio-Zertifizierung ist keine Verpflichtung zu besonders umweltfreundlicher Verpackung. Konsequenterweise müsste aus der Motivation, umweltfreundlich und möglichst ressourcensparend zu agieren, auch eine nachhaltige Verpackung der Produkte folgen. Dass unverpackt grundsätzlich die beste Lösung ist, bleibt außer Frage. Allerdings werden wir auf kurze Zeit nicht um Verpackungen herumkommen.

 

Die Fakten
Jährlich werden weltweit 322 Millionen Tonnen Plastik hergestellt. Somit hat sich das Produktionsvolumen seit 1950 verzweihundertfacht. Prognosen zufolge soll die Plastikproduktion weiter ansteigen. (Quelle: FAZ)

Die Alternativen: Papier statt Plastik

Papier nimmt fast die Hälfte des deutschen Verpackungsmülls ein. Es dient jedoch oft nur als Umverpackung und verleiht einem bereits verpackten Produkt nochmal einen ansprechenden Marketinganstrich. Ob Zahnpasta oder Tiefkühlpizza – die eigentliche Plastikverpackung kommt erst im Karton zum Vorschein. Reicht Papier nicht als Verpackung? Holzfaser kommen bei feuchten, flüssigen sowie öligen Produkte schnell an ihre Grenzen. Machbar sind Papierhüllen aber auf jeden Fall bei Trockenware wie Getreide, Mehl, Nudeln, Reis und Zucker. Das beweist beispielsweise Alb-Gold. Der Nudelhersteller präsentierte auf der Messe ausgewählte Bio-Nudelsorten in 100 % Papier verpackt, unbeschichtet und mit wasserlöslicher Farbe bedruckt – das sei in Deutschland bis jetzt einzigartig. An alle Unternehmen: BITTE MEHR DAVON!

                                      ©ALB-GOLD Teigwaren/Trochtelfingen

Glas statt Plastik

Auf die Frage, warum denn kein Glas als Verpackungsmaterial in Frage komme, bekam ich durch die Bank zwei Antworten: Einerseits sei das Recycling von Glas extrem energieintensiv und die CO2 Emissionen beim Transport aufgrund der größeren Masse höher als vergleichsweise bei Kunstoff. Diese Argumente sind richtig, aber bilden eben auch nur eine Seite der Medaille. Glas ist gut recycelbar und der Aufbereitungsprozess ist ressourcenschonender als neues Glas herzustellen. Außerdem wäre das Energie-Argument mit der ausschließlichen Nutzung von Ökostrom auch abzumildern. An dieser Stelle möchte ich auf den sehr gut recherchierten Artikel “Glas oder Plastik? Was ist nachhaltiger?” von Jenni verweisen. Sie hat den Vergleich von Glas und Plastik sehr anschaulich und ausführlich dargestellt.

Heyho Granola verzichtet beispielsweise auf Plastik und setzt auf Müsli im Glas. Sie planen bereits, ihr Müsli auch in Unverpackt-Läden anzubieten, sodass das Glas immer wieder aufgefüllt werden kann.

 

© Yasmine Lieske

Verbundstoffe – besser als Plastik?

Wenn Du bereits den Artikel über’s Sojamilch-Selber-Machen gelesen hast, weißt Du, dass Verbundstoffe wie Tetra Paks sehr schwer zu recyceln sind. Sie bestehen aus mindestens zwei Materialien, die nicht ohne Weiteres voneinander getrennt werden können. Ein anschauliches Beispiel, dass diese Verpackungen nicht wirklich eine Lösung sind, lieferte koawach auf der BIOFACH. Der fairtrade Bio-Kakao war bislang in einer Verbundverpackung aus drei verschiedenen Schichten verpackt (links im Bild). Die äußere Papierschicht lässt auf den ersten Blick eine umweltfreundlichere Verpackung vermuten als die Kunststoffverpackung (recht im Bild). Mit der neuen Verpackung aus Kunststoff könne jedoch laut koawach im Vergleich zur alten Verpackung 40% Material eingespart werden.

©koawach

Was ist eigentlich mit Bioplastik?

Auch auf der BIOFACH war das sogenannte Bioplastik vertreten: Folien aus Holzfasern, Kaffeekapseln aus Maisstärke, Flaschen aus Zuckerrohr bis hin zu Hundekotbeutel aus Kartoffelschalen. Immer häufiger werden Kunststoffe, die von der Materialbeschaffenheit her Plastik sehr ähneln, mit “aus nachwachsenden Rohstoffen” oder “biologisch abbaubar” gekennzeichnet. Was auf den ersten Blick wie die perfekte Lösung scheint, wirft im Detail viele Fragen und Probleme auf. Zunächst gibt es ähnlich wie bei für Naturkosmetik keine gesetzliche Definition für Bioplastik. Bislang gilt es bei biologischen Kunststoffen zu unterscheiden, ob das Material aus nachwachsenden Rohstoffen besteht oder kompostierbar ist. Oftmals ist beides der Fall – das muss aber nicht sein. Basiert ein Kunststoff auf nachwachsenden Rohstoffen, bedeutet es nicht automatisch, dass dieser auch biologisch abbaubar ist. Außerdem gibt es auch viele Mischungen aus biobasierten sowie erdölbasierten Kunststoffen, was das Recycling schwer macht.

Bioplastik benötigt Anbauflächen

Biobasierter Kunststoff wird unter anderem aus Mais, Kartoffeln oder Zuckerrohr hergestellt. Dafür werden große Anbauflächen benötigt, die gegebenenfalls mit Pestiziden belastet werden. Außerdem steigt die Gefahr, dass dafür weltweit mehr Waldflächen gerodet werden. Auch im Hinblick auf die wachsende Weltbevölkerung ist es fragwürdig, Nahrungsmittel zu (unnötigen) Verpackung zu verarbeiten. Auf den ersten Blick vertretbar erscheint es allerdings, biobasiertes Plastik aus Abfallprodukten wie beispielsweise Kartoffelschalen herzustellen. Dem ist allerdings hinzuzufügen, dass Biokunstoff allein das Verpackungsproblem nicht beseitigt. Es macht keinen Sinn jetzt alles darin zu verpacken.

Bioplastik braucht lange im Abbau

Biologisch abbaubare Kunststoffe zersetzen sich oft erst bei sehr hohen Temperaturen, die im gewöhnlichen Hauskompost nicht erreicht werden können. ( Gegenteiliges sei bei den Zellulose-Folien von Sonnentor sowie The Nu Company der Fall) Landet die Folie tatsächlich in einer industriellen Kompostieranlage lauert bereits die nächste Hürde. Am Stand vom Bio-Verpackungsspezialist erfuhr ich, dass der Zyklus bei industriellen Kompostieranlagen grundsätzlich acht Wochen betragen würde. Biologisch abbaubarer Kunststoff benötige jedoch durchschnittlich zwölf Wochen, um abgebaut zu werden. Einige Anlagen hätten den Zyklus daher bereits verlängert, andere wiederum nicht. Ob Bioplastik also in die braune Tonne darf, sollte beim örtlichen Abfallwirtschaftsbetrieb erfragt werden.

Lesenswert: ‘Why biodegradable/bio plastics suck’ von Milena Glimbovski 

Biobasierte Kunststoffe reagieren mit Licht

Biobasierte Kunststoffe reagieren häufig mit UV-Licht. Kathrin von der Antersdorfer Bio-Mühle erzählte mir, dass eine Folie auf Maisbasis für die Sichtfenster ihrer Produkte  lediglich 12 Monate haltbar sein würde – das Produkt an sich aber 24 Monate. Andersrum bedeutet das auch, dass die Folie an dunkeln Orten ebenfalls nicht vollständig verrotten würde.

Produktionsstätten sind auf Plastik ausgelegt

Was bei kleinen Unternehmen, die eigene Produktionsstätten besitzen, nicht vergessen werden darf: Die Maschinen sind oft auf Plastikverpackungen ausgelegt und funktionieren nicht mit vergleichsweise umweltfreundlichen Materialen. Das soll natürlich keine Rechtfertigung dafür sein, nichts ändern zu müssen. Jedoch sind neue Produktionsanlagen mit hohem Kosten verbunden.

 

Fazit: Verpackung ist nie optimal

Nach zahlreichen Gesprächen, diversen Meinungen und noch mehr Problemstellungen rauchte mit gehörig der Kopf und die Fragezeichen kreisten wirrer denn je. Eines steht fest: Die optimale Verpackung gibt es (noch) nicht. Bei dieser ganzen Verpackungsdiskussion dürfen wir allerdings eines nicht außer Acht lassen: Verpackungen und damit Müll müssen DRASTISCH REDUZIERT werden – egal wie nachhaltig die Verpackung auch sein mag.

Du hast noch Anmerkungen oder willst über einen Aspekt mehr erfahren? Dann hinterlasse gerne einen Kommenar! 

Die 4 Rs für weniger Müll

Refuse: Verpackungen ablehnen wo es nur geht – auf die Bäckertüte verzichten
Reuse: Mehrweg schlägt immer Einweg – Beutel/Tüten so oft es geht wiederverwenden 
Recycle: Müll so gut es geht trennen und korrekt entsorgen 
Rot: Bioabfall gehört auf den Kompost oder in die Biotonne

 

(VH)

 
„Zero Waste ist kein Dogma, sondern ein Weg“ – ein Café ohne Müll im Interview

„Zero Waste ist kein Dogma, sondern ein Weg“ – ein Café ohne Müll im Interview

Wenn man anfängt, sich mit einem müllfreien Leben zu beschäftigen, fühlt es sich schnell an, wie ein Fass ohne Boden. Alana Zubritz und Ina Choi-Nathan zeigen, dass (fast) alles ohne Müll möglich ist – auch in der Gastronomie. Seit Oktober 2017 führen sie das Hamburger Zero Waste Café ‚In guter Gesellschaft’. Ich habe Alana dort besucht und mit ihr gesprochen. Über Ihr Konzept, was Zero Waste eigentlich bedeutet und was jede*r von uns tun kann

Alana, als ich zum ersten Mal von ‚In guter Gesellschaft’ gehört habe, bin ich sofort am Namen hängen geblieben – der gibt ja Raum für Interpretation…

Das stimmt. In erster Linie ist natürlich die Gesellschaft im Sinne eines netten Freundes- oder Bekanntenkreises gemeint. ‚In guter Gesellschaft’ kann aber auch politisch verstanden werden. Genau diese Doppeldeutung hat uns an dem Namen besonders gefallen. Wir möchten zeigen, dass wir eben neue Wege gehen. Die erste Idee war ‚In neuer Gesellschaft’ oder ‚Neue Welt’. Allerdings sollte es nicht zu utopisch klingen, sondern ein netter Name sein, der alle anspricht.  

Wie bist Du denn zu Zero Waste gekommen und schließlich zusammen mit Ina auf die Idee, ein müllfreies Café zu eröffnen?

 Das war natürlich ein Prozess. Ich habe einen Master in nachhaltigem Design in England gemacht. Danach habe ich Workshops im nachhaltigen Bereich gegeben und mich mit Freunden für mehr Umweltbewusstsein engagiert. Wir wollten den Nachhaltigkeitsgedanken entstauben und etwas Cooles daraus machen. Dazu haben wir unter anderem Kleidertausch Cafés organisiert. Es sollte darum gehen, den Spaß daran zu entdecken.

Und Ina ist eine langjährige Freundin von mir. Sie hat mich bei einem Kaffee angefixt, dass wir doch mal ein Projekt zusammen angehen könnten. So war die erste Idee, ein permanentes Kleidertausch Café zu eröffnen. Während wir uns das Konzept überlegten, war ich in Brighton bei ehemaligen Kommilitonen zu Besuch. Über einen Freund bin ich dort auf das ‚ Silo’, dem ersten Zero Waste Restaurant Europas, aufmerksam geworden. Das Konzept fand ich so toll und habe mich lange mit dem Inhaber über die Idee dahinter unterhalten. Als ich dann zurückkam, war auch Ina total begeistert von dem Konzept.

Zero Waste ist ja ein sehr weiter Begriff – was bedeutet Zero Waste für Dich?

Man muss es als Leitfaden sehen. Zero Waste darf nicht als absolutes Dogma verstanden werden; als müsste man von heute auf morgen alles ändern und perfekt machen. Man schaut erstmal, wo denn eigentlich das Problem bei ‚waste’ ist. Da ist natürlich an oberster Stelle Plastik, weil es nicht biologisch abbaubar ist, sondern in mikroskopisch kleine Teilchen zerfällt. Im weiteren Schritt schaut man sich die weiteren Verpackungen an – TetraPaks zum Beispiel. Das sind Verbundstoffe, die nicht recycelbar sind, weil sie zusammengeklebt sind. Und dann fängt man eben an, sich Gedanken über „bösen Müll“ und „guten Müll“ zu machen. Die Natur produziert „guten Müll“ – Stichwort „Cradle to cradle“. Nehmen wir zum Beispiel den Kirschbaum. Dieser produziert sehr viele Blüten und Früchte, aber alles geht wieder zurück und wir wieder als Nährstoff verwendet. Und genau in diesem Kreislauf haben wir dann angefangen alles zu betrachten

Wie setzt Ihr diesen Kreislaufgedanken dann konkret um?

Wir schauen immer, was biologisch abbaubar ist. Gerade sparen wir sogar auf unser eigenes Kompostiergerät, das ist sehr teuer. Bis dahin bedienen wir uns klassisch der Bio-Tonne (lacht). Wobei das ja mittlerweile als kostbarer Rohstoff erkannt wurde.

Als nächstes haben wir geschaut, welche Verpackungen „ok“ sind. Pfandbehälter zum Beispiel sind sowieso super. Papier geht für uns auch durch, denn es ist gut recycelbar und theoretisch biologisch abbaubar.  Die Rohstoffe kaufen wir daher viel in 25 kg Papiersäcken. Altglas versuchen wir tatsächlich so weit es geht zu vermeiden. Da haben wir nur noch Rum und Wodka. Der Rest ist alles Mehrweg – selbst Essig, Wein und Gin. Man richtet sich dann eben nach den Lieferanten und schaut was möglich ist. Nach diesem System haben wir dann unsere Speisekarte gestaltet.

Hört sich ja eigentlich ganz einfach an..

Natürlich ist alles ein Weg. Gewürze sind zum Beispiel noch so ein Problem. Da haben wir uns mittlerweile entschieden, große Plastiksäcke zu kaufen. Dafür reicht es dann 2 Jahre und wir können den Müll enorm reduzieren. Es geht wie gesagt nicht um das Dogma, sondern um den Weg dorthin.

Wir legen einfach viel Wert auf das frisches Kochen und Zubereiten. Wir machen viel selber, Marmeladen, Aufstriche, vegane Milch, und greifen nicht auf Convenient-Produkte zurück. Dadurch haben wir einen viel geringeren Wareneinsatz, weil wir nur die Rohstoffe kaufen. Aber es muss natürlich alles vorbereitet werden – dafür schaffen wir mehr Arbeitsplätze.

 

Stößt ihr dabei trotzdem auch an Grenzen?

 Klar, es gibt auch ein paar Ausnahmen. Verbandsmaterial zum Beispiel, es schneidet sich ja auch mal jemand in den Finger. Oder eben auch der Müll, den die Gäste liegen lassen – darauf haben wir natürlich keinen Einfluss.

Für unseren gastronomischen Geschirrspüler benötigen wir spezielle Reinigungsmittel, die eben in Plastikkanistern geliefert werden. Selber herstellen kann man die Mittel leider nicht. Da haben wir auch schon mehrmals mit dem Hersteller gesprochen, ob er sie nicht zurücknehmen könnte. Das wurde bis jetzt abgelehnt – da kommt man halt an Grenzen.

Reinigungsmittel sind ein gutes Stichwort. Viele Menschen haben bei selbst gemachten Sachen in Haushalt oft Angst um die Hygiene. Wie handhabt Ihr das im Café?

 Beim Gesundheitsamt hatten wir tatsächlich etwas Angst. Wir machen eben unsere Essigreiniger selber und putzen viel mit Soda und Zitronensäure. Da waren wir uns nicht sicher, ob das durchgeht. In der Schulung haben wir dann allerdings erfahren, dass das Gesundheitsamt sogar Essigreiniger eher begrüßt als die gängigen Glasreiniger. Das hat uns natürlich sehr gefreut.  

 

Du hast ja bereits die Gäste erwähnt. Wie reagieren die denn auf Euer Konzept?

Also die Resonanz ist durchweg positiv. Viele kommen natürlich wegen des Konzepts, aber einige wissen auch erstmal gar nicht, dass sie in einem Zero Waste gelandet sind. Dann muss man manchmal schon erklären, warum da Essen jetzt nicht nach 10 Minuten auf dem Tisch steht oder die vegane Milch jetzt alle ist. Dann öffnet sich plötzlich der Blick und sie entdecken die Stoffservietten und Edelstahl-Strohhlame.

Hast du konkrete Tipps, wie man als Gast grundsätzlich in Cafes/ Restaurants Müll vermeiden kann?

 Also natürlich erstmal seinen eigenen Müll nicht liegen lassen. Dann kann man immer sehr gut auf to go verzichten. Wenn ich mir beim Asiaten Sushi hole, dann kann ich auch meine eigene Dose mitbringen oder es mal dort essen. To go macht denke ich das meiste aus. Ansonsten kann man auch immer wieder bereits bei der Bestellung betonen, dass man keinen Strohhalm möchte, und auch auf Papierservietten so gut es geht verzichten. Es sind kleine Dinge, die aber eine große Wirkung haben können.

(VH)

In guter Gesellschaft
Sternstraße 25
20357 Hamburg

Di – So 9.30 – 21 Uhr / Montags geschlossen
www.in-guter-gesellschaft.com

Sojamilch selber machen – ohne Küchenmaschine

Sojamilch selber machen – ohne Küchenmaschine

 

Tetra Pak ade: So kannst Du Sojamilch selber machen – ganz einfach und ohne Hight-Tech-Küchengeräte. Probier’s doch gleich mal aus!  

Mandel, Cashew, Hafer, Dinkel, Reis… Die Auswahl an pflanzlichen Milchalternativen ist mittlerweile unglaublich vielfältig. Der Nachteil: Sie sind ausschließlich in Tetra Paks erhältlich. Während Kuhmilch auch in Pfandflaschen im Kühlregal steht, machen Pflanzendrinks in Sachen Zero Waste bis jetzt eine schlechtere Figur.

Pflanzliche Milch: Sojamilch selber machen

Getreide- und Nussmilch lassen sich verhältnismäßig einfach auch in der heimischen Küche zubereiten. Das Rezept für eine wunderbare Hafermilch hat zum Beispiel Swenja auf Lager. Bei Sojamilch wird es da schon schwieriger. Aber nichts ist unmöglich! So kann jeder seine Sojamilch ganz einfach selber zubereiten:

 

 

 

Zutaten für 1 l Sojamilch:

1 TL Natron
Wasser

Küchenutensilien:
Pürierstab
sauberes Küchentuch
großer Topf
große Schüssel
saubere Gläser zum Abfüllen

Zubereitung:

Die Sojabohnen 4 – 6 Stunden in Wasser einweichen (am besten über Nacht). Danach absieben und mit frischem Wasser spülen. Die Sojabohnen in einen großen Topf geben, mit frischem Wasser großzügig überdecken, 1 Teelöffel Natron dazugeben und aufkochen. Die Hitze auf mittlere Stufen reduzieren und 40 Minuten köcheln lassen. (Achtung: es kann stark schäumen, deshalb besser einen großen Topf verwenden.)

Wenn die Bohnen weich sind, den Topfinhalt absieben. Die abgetropften Sojabohnen zusammen mit 0,5 l frischem Wasser pürieren. Danach weitere 0,5 l frisches Wasser dazugeben und nochmal kurz aufkochen.

Sojamilch selber machen: Milch abfiltern

Das saubere Küchentuch über eine Schüssel legen und die Flüssigkeit nach und nach hineingeben und vorsichtig durch das Tuch pressen  (alternativ kann dazu ein Nussmilchbeutel oder ein ganz feines Sieb verwendet werden).

Zum Schluss bleibt im Küchentuch der Sojatrester – sog. Okara – zurück. Dieser kann für leckere Burger-Parties verwendet werden.
Die gefilterte Sojamilch am besten mit einem Trichter in saubere Flaschen füllen und direkt in den Kühlschrank stellen.

Gut zu wissen: Herkömmliche Pflanzendrinks sind oft gesüßt. Die pure Sojamilch kann Dir also ziemlich herb vorkommen. Eine angenehme Süße verleiht beispielsweise Kokosblütenzucker oder Honig. Am besten aber erst direkt bei der Verwendung süßen.

Jetzt steht der müllfreien Sojamilch nichts mehr im Weg! Solltest Du mein Rezept ausprobieren, freue ich mich sehr über Feedback!

(VH)

 

Dauerhaft Lebensmittelabfälle vermeiden – mit diesen 5 Tipps klappt’s garantiert

Dauerhaft Lebensmittelabfälle vermeiden – mit diesen 5 Tipps klappt’s garantiert

ANZEIGE

Eigentlich wissen wir ja, dass wir nur das einkaufen sollten, was wir auch verbrauchen. Aber wie so oft hapert es bereits nach ein paar Tagen bei der Umsetzung. Deshalb habe ich dir 5 einfache Tipps zusammengestellt, die dir bei der (wirklich) dauerhaften Umsetzung helfen!

In der 4-Wochen-Challenge gegen Lebensmittelverschwendung zusammen mit RaboDirect und Max Green haben wir in den vergangenen Tagen so einiges gelernt – warum wir das MHD nicht bei der Zahl nehmen sollten und wie wir aus vermeintlichen Küchenabfällen noch kreative Mahlzeiten zaubern können. Außerdem ging es letzte Woche darum, die angesammelten Vorräte effektiv zu verbrauchen und worauf wir beim Essen in Restaurants sowie unterwegs achten sollten. Ganz schön viele Aspekte auf einmal; diese können wir natürlich nicht alle gleichzeitig und perfekt zu jeder Zeit umsetzen. Das soll auch überhaupt nicht das Ziel sein. Viel mehr möchte ich (einfache) Mittel und Wege aufzeigen, wie wir der unnötigen Lebensmittelverschwendung im Alltag einen Riegel vorschieben können. Denn noch einmal zur Erinnerung: 18 Millionen Tonnen landen jährlich allein in Deutschland im Müll. 18 Millionen Tonnen!

 

5 Tipps gegen Lebensmittelverschwendung

Der Mensch ist bekanntlich ein Gewohnheitstier. Anstatt uns aber über unsere „schlechten“ Angewohnheiten zu ärgern, sollten wir uns lieber darauf konzentrieren, uns positive anzueignen. Natürlich benötigen neue Routinen Zeit und fühlen sich auch manchmal etwas mühselig an – aber fange einfach an und bleibe dran! Los geht’s:

1. Jede Woche einen Vorrat aufbrauchen

Niemand benötigt langjährige Regalhüter. Damit diese erst gar nicht entstehen, nimm dir jede Woche eine Sache aus deinem Küchenschrank, die Du leeren möchtest. Am besten positionierst Du deine Wahl, beispielsweise eine Packung Nudeln, an einer Stelle, die regelmäßig in deinem Blickfeld ist.

2. Essen mit anderen teilen

Dir schmecken manche Sachen einfach nicht mehr oder Du schafft es nicht, diese alleine zu verbrauchen? Kein Problem! Frag doch mal im Freundes- und Bekanntenkreis nach. Alternativ kannst Du dich auch bei foodsharing oder UXA anmelden. Die Website bzw. App bieten dir eine kostenlose Plattform, Lebensmittel weiterzugeben bzw. von anderen anzunehmen. Auch regionale Tafeln nehmen Lebensmittelspenden an.

 

TIPP:
Veranstalte mit deinen Freunden regelmäßig Kochabende, an denen ihr lediglich eure Vorräte verwertet! 

3. Mahlzeiten grob planen

Die wohl effektivste Methodekeine Lebensmittel wegwerfen zu müssen, ist es, seine Mahlzeiten zu planennie hungrig und dafür immer mit Einkaufszettel einkaufen zu gehen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass das vor allem am Anfang sehr schwer fällt. Wichtig: Das Leben läuft nie nach Plan. Es geht nicht um eine exakte Einhaltung des Plans, sondern um eine grobe Struktur. Allein zu wissen, wie viele Mahlzeiten man zuhause einnehmen wird, hilft bereits bei der Einkaufsplanung und verhindert, dass Unnötiges gekauft wird.

„Seit ich selbst Listen schreibe, kaufe ich viel weniger ein als früher.“  – Ronni Kahn, australische Foodaktivistin gegenüber der SZ

 

4. So viel wie möglich verwerten

Mit meinen Zero-Waste-Rezepten habe ich dir bereits gezeigt, was Du aus Blumenkohlblättern, Möhrengrün-Pesto und Kohlrabiblättern so Leckeres kochen kannst. Was außerdem (u.a.) noch essbar ist:

– Radieschenblätter

– Stiel vom Brokkoli

– Schale von Kiwis

– Kartoffel- sowie Karottenschale

Weitere Zero-Waste-Verwertungsoptionen:

– altes Brot/Brötchen zu Knödelverarbeiten

– Essig/Öl von eingelegtem Gemüse als Salatdressing verwenden

– überreifes Obst zu Smoothies oder Mus verarbeiten

– aus Gemüseschalen Brühe kochen

5. Darüber sprechen

 Themen bleiben nur präsent, wenn wir nicht aufhören, darüber zu sprechen. Erzähle deinen Freunden von dem Problem der Lebensmittelverschwendung. Das trägt die Botschaft nicht nur weiter, sondern motiviert uns selber.

TIPP:
Menschen lassen sich leichter überzeugen, wenn sie konkrete Handlungsalternativen bekommen. Kombinieredie Schilderungen über die Problematik der Lebensmittelverschwendung also gleich mit ein oder zwei einfachen Alltagstipps!

 

 

Sinnvoll sparen

Unterm Strich wirst Du mit den aufgeführten Tipps nicht nur unnötige Lebensmittelabfälle sparen, sondern auch bares Geld – denn schließlich musste alles einmal beim Einkaufen bezahlt werden. Verschwendung und Sparen – eigentlich zwei Gegensätze, die sich doch so nahe sind. Diesen Zusammenhang erkennt auch RaboDirect. Mit den Spareinlagen ihrer Kunden ermöglicht die Direktbank der RabobankGruppe, weltweit Projekte gegen Lebensmittelverschwendung zu fördern. Außerdem fördert sie Initiativen zur globalen Nahrungsmittelsicherheit. Mit dem Leitgedanken „Banking for Food“ zeigt RaboDirect, dass wirklich jeder Verantwortung übernehmen kann.

 

Damit endet die 4-Wochen-Challenge gegen Lebensmittelverschwendung. Ich hoffe, dass dieses „Ende“ auch gleichzeitig der Anfang ist, dauerhaft umzudenken und wieder mehr Wert in unserer täglichen Nahrung zu sehen. Natürlich wird es auch in Zukunft viele weitere Themen rund um Lebensmittelverschwendung geben. Wenn Du noch Fragen hast, melde Dich gerne bei mir! An dieser Stelle auch noch mal ein großes DANKE für die tollen Rückmeldungen zur Challenge – bin wirklich begeistert, wie viele mitgemacht haben!

(VH)

 

*Transparenz: In Kooperation mit RaboDirect