„Zero Waste ist kein Dogma, sondern ein Weg“ – ein Café ohne Müll im Interview

„Zero Waste ist kein Dogma, sondern ein Weg“ – ein Café ohne Müll im Interview

Wenn man anfängt, sich mit einem müllfreien Leben zu beschäftigen, fühlt es sich schnell an, wie ein Fass ohne Boden. Alana Zubritz und Ina Choi-Nathan zeigen, dass (fast) alles ohne Müll möglich ist – auch in der Gastronomie. Seit Oktober 2017 führen sie das Hamburger Zero Waste Café ‚In guter Gesellschaft’. Ich habe Alana dort besucht und mit ihr gesprochen. Über Ihr Konzept, was Zero Waste eigentlich bedeutet und was jede*r von uns tun kann

Alana, als ich zum ersten Mal von ‚In guter Gesellschaft’ gehört habe, bin ich sofort am Namen hängen geblieben – der gibt ja Raum für Interpretation…

Das stimmt. In erster Linie ist natürlich die Gesellschaft im Sinne eines netten Freundes- oder Bekanntenkreises gemeint. ‚In guter Gesellschaft’ kann aber auch politisch verstanden werden. Genau diese Doppeldeutung hat uns an dem Namen besonders gefallen. Wir möchten zeigen, dass wir eben neue Wege gehen. Die erste Idee war ‚In neuer Gesellschaft’ oder ‚Neue Welt’. Allerdings sollte es nicht zu utopisch klingen, sondern ein netter Name sein, der alle anspricht.  

Wie bist Du denn zu Zero Waste gekommen und schließlich zusammen mit Ina auf die Idee, ein müllfreies Café zu eröffnen?

 Das war natürlich ein Prozess. Ich habe einen Master in nachhaltigem Design in England gemacht. Danach habe ich Workshops im nachhaltigen Bereich gegeben und mich mit Freunden für mehr Umweltbewusstsein engagiert. Wir wollten den Nachhaltigkeitsgedanken entstauben und etwas Cooles daraus machen. Dazu haben wir unter anderem Kleidertausch Cafés organisiert. Es sollte darum gehen, den Spaß daran zu entdecken.

Und Ina ist eine langjährige Freundin von mir. Sie hat mich bei einem Kaffee angefixt, dass wir doch mal ein Projekt zusammen angehen könnten. So war die erste Idee, ein permanentes Kleidertausch Café zu eröffnen. Während wir uns das Konzept überlegten, war ich in Brighton bei ehemaligen Kommilitonen zu Besuch. Über einen Freund bin ich dort auf das ‚ Silo’, dem ersten Zero Waste Restaurant Europas, aufmerksam geworden. Das Konzept fand ich so toll und habe mich lange mit dem Inhaber über die Idee dahinter unterhalten. Als ich dann zurückkam, war auch Ina total begeistert von dem Konzept.

Zero Waste ist ja ein sehr weiter Begriff – was bedeutet Zero Waste für Dich?

Man muss es als Leitfaden sehen. Zero Waste darf nicht als absolutes Dogma verstanden werden; als müsste man von heute auf morgen alles ändern und perfekt machen. Man schaut erstmal, wo denn eigentlich das Problem bei ‚waste’ ist. Da ist natürlich an oberster Stelle Plastik, weil es nicht biologisch abbaubar ist, sondern in mikroskopisch kleine Teilchen zerfällt. Im weiteren Schritt schaut man sich die weiteren Verpackungen an – TetraPaks zum Beispiel. Das sind Verbundstoffe, die nicht recycelbar sind, weil sie zusammengeklebt sind. Und dann fängt man eben an, sich Gedanken über „bösen Müll“ und „guten Müll“ zu machen. Die Natur produziert „guten Müll“ – Stichwort „Cradle to cradle“. Nehmen wir zum Beispiel den Kirschbaum. Dieser produziert sehr viele Blüten und Früchte, aber alles geht wieder zurück und wir wieder als Nährstoff verwendet. Und genau in diesem Kreislauf haben wir dann angefangen alles zu betrachten

Wie setzt Ihr diesen Kreislaufgedanken dann konkret um?

Wir schauen immer, was biologisch abbaubar ist. Gerade sparen wir sogar auf unser eigenes Kompostiergerät, das ist sehr teuer. Bis dahin bedienen wir uns klassisch der Bio-Tonne (lacht). Wobei das ja mittlerweile als kostbarer Rohstoff erkannt wurde.

Als nächstes haben wir geschaut, welche Verpackungen „ok“ sind. Pfandbehälter zum Beispiel sind sowieso super. Papier geht für uns auch durch, denn es ist gut recycelbar und theoretisch biologisch abbaubar.  Die Rohstoffe kaufen wir daher viel in 25 kg Papiersäcken. Altglas versuchen wir tatsächlich so weit es geht zu vermeiden. Da haben wir nur noch Rum und Wodka. Der Rest ist alles Mehrweg – selbst Essig, Wein und Gin. Man richtet sich dann eben nach den Lieferanten und schaut was möglich ist. Nach diesem System haben wir dann unsere Speisekarte gestaltet.

Hört sich ja eigentlich ganz einfach an..

Natürlich ist alles ein Weg. Gewürze sind zum Beispiel noch so ein Problem. Da haben wir uns mittlerweile entschieden, große Plastiksäcke zu kaufen. Dafür reicht es dann 2 Jahre und wir können den Müll enorm reduzieren. Es geht wie gesagt nicht um das Dogma, sondern um den Weg dorthin.

Wir legen einfach viel Wert auf das frisches Kochen und Zubereiten. Wir machen viel selber, Marmeladen, Aufstriche, vegane Milch, und greifen nicht auf Convenient-Produkte zurück. Dadurch haben wir einen viel geringeren Wareneinsatz, weil wir nur die Rohstoffe kaufen. Aber es muss natürlich alles vorbereitet werden – dafür schaffen wir mehr Arbeitsplätze.

 

Stößt ihr dabei trotzdem auch an Grenzen?

 Klar, es gibt auch ein paar Ausnahmen. Verbandsmaterial zum Beispiel, es schneidet sich ja auch mal jemand in den Finger. Oder eben auch der Müll, den die Gäste liegen lassen – darauf haben wir natürlich keinen Einfluss.

Für unseren gastronomischen Geschirrspüler benötigen wir spezielle Reinigungsmittel, die eben in Plastikkanistern geliefert werden. Selber herstellen kann man die Mittel leider nicht. Da haben wir auch schon mehrmals mit dem Hersteller gesprochen, ob er sie nicht zurücknehmen könnte. Das wurde bis jetzt abgelehnt – da kommt man halt an Grenzen.

Reinigungsmittel sind ein gutes Stichwort. Viele Menschen haben bei selbst gemachten Sachen in Haushalt oft Angst um die Hygiene. Wie handhabt Ihr das im Café?

 Beim Gesundheitsamt hatten wir tatsächlich etwas Angst. Wir machen eben unsere Essigreiniger selber und putzen viel mit Soda und Zitronensäure. Da waren wir uns nicht sicher, ob das durchgeht. In der Schulung haben wir dann allerdings erfahren, dass das Gesundheitsamt sogar Essigreiniger eher begrüßt als die gängigen Glasreiniger. Das hat uns natürlich sehr gefreut.  

 

Du hast ja bereits die Gäste erwähnt. Wie reagieren die denn auf Euer Konzept?

Also die Resonanz ist durchweg positiv. Viele kommen natürlich wegen des Konzepts, aber einige wissen auch erstmal gar nicht, dass sie in einem Zero Waste gelandet sind. Dann muss man manchmal schon erklären, warum da Essen jetzt nicht nach 10 Minuten auf dem Tisch steht oder die vegane Milch jetzt alle ist. Dann öffnet sich plötzlich der Blick und sie entdecken die Stoffservietten und Edelstahl-Strohhlame.

Hast du konkrete Tipps, wie man als Gast grundsätzlich in Cafes/ Restaurants Müll vermeiden kann?

 Also natürlich erstmal seinen eigenen Müll nicht liegen lassen. Dann kann man immer sehr gut auf to go verzichten. Wenn ich mir beim Asiaten Sushi hole, dann kann ich auch meine eigene Dose mitbringen oder es mal dort essen. To go macht denke ich das meiste aus. Ansonsten kann man auch immer wieder bereits bei der Bestellung betonen, dass man keinen Strohhalm möchte, und auch auf Papierservietten so gut es geht verzichten. Es sind kleine Dinge, die aber eine große Wirkung haben können.

(VH)

In guter Gesellschaft
Sternstraße 25
20357 Hamburg

Di – So 9.30 – 21 Uhr / Montags geschlossen
www.in-guter-gesellschaft.com

Was war, ist und kommt: Mein Rück- und Ausblick

Was war, ist und kommt: Mein Rück- und Ausblick

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In wenigen Stunden ist wieder ein Jahr vorbei. 12 Monate voller Ereignisse, Erlebnisse, Wendungen, Freude und Schmerz. Bevor um Mitternacht das Kapitel 2018 zu Ende geht, möchte ich nochmal ein paar Gedanken Revue passieren lassen. 

2018 ging für mich wahnsinnig schnell vorbei – ja, das stellt man so gut wie jedes Jahr spätestens kurz vor Weihnachten fest, allerdings hatten es die vergangenen 365 Tage meinem Empfinden nach besonders eilig. Wenn ich zurückblicke, kann ich eigentlich gar nicht glauben, was sich alles ereignet hat. Ich bin wahnsinnig dankbar für alle Erfahrungen, die ich in diesem Jahr machen durfte. Es gab so viele tolle Augenblicke, in denen ich einfach nur pures Glück spürte. Wo es schöne Momente gibt, sind allerdings auch traurige nicht weit. 2018 ist für mich auf jeden Fall ein Jahr der Abschiede. Ob Todesfälle, Trennungen, Kündigung oder Umzüge – auch solche Momente prägten die vergangenen Monate.

Heute vor einem Jahr

..rutschte ich auf der Küchenbank meiner Eltern nervös hin und her. Am 2. Januar 2018 um 14 Uhr sollte ich erfahren, ob ich das Erste Juristische Staatsexamen bestanden habe. Obwohl ich längst wusste, dass ich in der klassischen Juristerei nicht meine Zukunft verbringen möchte, schnürte mir der gesellschaftliche Gürtel wieder einmal die Luft ab. An Weihnachten 2017 hatte ich bereits Bewerbungen geschrieben und mich für Praktika und Volos in ganz Deutschland beworben. Ich wollte schreiben – natürlich am liebsten über Nachhaltigkeit. 

Gesagt, getan – vor allem auf allmydeer.com und Instagram teilte ich meine Gedanken und Sichtweisen über ein nachhaltiges und bewusstes Leben. Nach einem Jahr kommen mir vor allem hinsichtlich der beliebten Fotoplattform Zweifel: In meiner Insta-Blase ist alles Zero-Waste, Vegan und Glutenfrei. Sobald ich aber vor meine Tür gehe, fliegen mir die Plastiktüten um die Ohren. Auf sozialen Netzwerken muss man sich inszenieren, in den Mittelpunkt treten und auch mal Komplimente fischen – und alle haben sich ja so lieb. Entschuldige den Sarkasmus in den letzten Sätzen aber manchmal komme ich mit dieser Welt einfach nicht klar. Versteh mich aber nicht falsch: Ich sehe sehr großes Potential, mittels solcher Netzwerke aufzuklären und zu bewusstem Handeln zu animieren – sonst würde ich mir die ganze Arbeit auch nicht machen.

Oh Du schönes Hamburg

Schließlich verschlug es mich im April diesen Jahres von München nach Hamburg. Die Hansestadt war ohnehin in meinem deutschen Städte-Ranking ganz weit vorne. Wohl fühlte ich mich im Norden sofort – Verbrachte Stunden auf dem Aussichts-Plaza der Elbphilharmonie, umrundete die Alster und genoss die klare Luft. Aus einem Praktikum bei einem großen Verlagshaus wurde eine Festanstellung. Allerdings merkte ich ziemlich bald, dass die Umstände für mich und vor allem für meine Psyche nicht optimal waren. 

Hilfe, ich bin nicht gesellschaftsfähig!

In meinem klassischen 40-Stunden-Job hielt ich es 3 Monate aus. Dann waren die Angst- und Panikattacken zu stark. Aber nicht nur meine Psyche, sondern auch einige andere Begebenheiten machten mir klar, dass das nicht mein Weg sein würde. Schließlich ging ich. Wieder einmal fühlte es sich an wie ein Versagen. Wieder einmal konnte ich der gesellschaftlichen Norm nicht gerecht werden. Gleichzeitig wusste ich jedoch, dass es die einzig richtige Entscheidung war. Es kostete (tut es immer noch) enorm viel Kraft, mir das einzugestehen und das alles zu verarbeiten. Ich weiß, dass ich einen Weg finden werde, der für mich – nur für mich – der richtige ist.

Allmydeer: Das kommt 2019

Nach meiner Use-Up-Don’t-Buy-Challenge im November 2017 und der Zerowaste-Challenge im Februar 2018 freue ich mich so sehr, dass gleich zu Beginn 2019 eine weitere tolle Aktion ansteht: Die 4-Wochen-Challenge gegen Lebensmittelverschwendung.

Da mir die Wertschätzung von Lebensmitteln besonders am Herzen liegt, freue ich mich so sehr, meinen Teil zu diesem Projekt beitragen zu dürfen. Initiator dieser Kampagne ist RaboDirect. Mit dem Leitgedanken „Banking for Food“ setzt sich die Direktbank als Teil der genossenschaftlichen Rabobank Gruppe weltweit für Projekte im Agri- und Foodbereich ein. RaboDirect betrachtet das Thema Lebensmittelverschwendung als ein schwerwiegendes, globales Problem, das sich nicht nur negativ auf die Wirtschaft auswirkt. Es bedroht vielmehr die weltweite Sicherstellung von Nahrungsmitteln und schränkt die Verfügbarkeit von Wasser und Land ein. Jährlich 1,3 Milliarden Tonnen an Nahrung zu verschwenden, ist einfach untragbar. Deshalb startet am 07.01.2019 die 4-Wochen-Challenge gegen Lebensmittelverschwendung. Diese verfolgt das Ziel, Lebensmittel wieder mehr wertzuschätzen und durch bewusste Entscheidungen im Alltag, unnötige Lebensmittelabfälle zu vermeiden. Dich erwarten erstaunliche Fakten, überraschende Tipps, leckere Rezepte und vieles mehr. Die Challenge wird nicht nur der Umwelt, sondern auch Deinem Geldbeutel einen Gefallen tun. Also, im Januar geht’s los und ich hoffe, Du bist dabei!

Hier verpasst Du nichts!

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Max Green: Instagram & Youtube
RaboDirect: Website Facebook 

 

“Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne”

Mit diesem schönen Zitat von Hermann Hesse sage ich jetzt SERVUS 2018 und freue mich auf 2019. Ein großes DANKE an dieser Stelle auch an Euch. Danke, dass Ihr meine Beiträge verfolgt, liket und kommentiert.

VH

 

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10 Jahre Psychotherapie – na und?!

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10 Jahre Psychotherapie – na und?!

10 Jahre Psychotherapie – na und?!

“Heute geh ich noch zu meiner Therapeutin”, so frei und offen kommunizieren können, wie “Später will ich noch zum Sport”, ist nicht selbstverständlich. Leider. Trotz großer Dynamik und positiver Entwicklungen sind psychische Erkankungen noch immer mit einem ordentlichen Tabu besetzt. Warum ich davon genug habe und mein Resümee nach fast 10 Jahren Psychotherapie 

Irgendwie ist es schon komisch: Einerseits werden Leute, die zum ‘Seelenklemptner’ gehen, belächelt. Andererseits ist es mittlerweile auch in Deutschland Gang und Gäbe, einen Coach oder Mentor zur Seite zu haben. Ich habe lange darüber nachgedacht, ob ich diesen Beitrag schreiben soll … es fällt mir nicht leicht darüber zu sprechen… – so in der Art hätte ich bis vor kurzem noch dem Tabu entsprechend diesen Beitrag begonnen. Als ich vergangenen Mittwoch zum letzten Mal die Praxistür meiner Therapeutin ins Schloss fallen ließ, wusste ich sofort, dass ich darüber schreiben möchte. Ich habe nicht lange darüber nachgedacht (okay, vielleicht zweimal) und nein, es fällt mir nicht schwer.

Das erste Mal saß ich im Sommer 2009 einer Therapeutin gegenüber. Damals war ich knapp 15 Jahre alt. In der folgenden Zeit kamen sechs feste Therapeutinnen und weitere Beratungs-/Erstgespräche zusammen. Acht Monate war ich in stationärer Behandlung, der Rest fand ambulant statt. Dieser Beitrag bezieht sich hauptsächlich auf meine Erfahrungen in ambulanter Betreuung. In der Summe müsste ich zwischen 400 und 500 Therapiesitzungen wahrgenommen haben. Bei einer Neuvorstellung hätte ich irgendwann am liebsten eine Kassette mit einer Zusammenfassung meines bisherigen Lebens und meiner Krankheit abgespielt. Warum ich genau Therapie gemacht habe, kannst Du ganz ausführlich im Podcast von Kira Siefert anhören – kurz gesagt: Depressionen, Ess-, Angst- und Persönlichkeitsstörungen.

Meine Erfahrungen mit Psychotherapie

Therapeut*in ist nicht gleich Therapeut*in. Wie in jeder Berufssparte gibt es solche und solche. Ich habe vieles erlebt. Viel davon war positiv, einiges auch negativ und mache Sachen in meinen Augen sehr merkwürdig. Zum Beispiel wurde mir in einem Erstgespräch geraten, ich solle Bier und Schinken kaufen (Fleisch entspräche Begierde) und mit jemandem zu schlafen. Äh ja, danke für die Hilfe. Auch wenn ich mitunter schlechte Erfahrungen gemacht habe, würde ich jedem, der überlegt eine Therapie zu beginnen, grundsätzlich nicht davon abraten, sondern eher dazu ermutigen.  Man sollte auf jeden Fall Erstgespräche bei verschiedenen Therapeuten wahrnehmen. Diese sind unverbindlich und werden grundsätzlich von der Krankenkasse übernommen. Bei mir wurden alle Therapien bis heute zu 100% von meiner (gesetzlichen) Krankenkasse übernommen. Das muss aber natürlich immer im Einzelfall geklärt werden.

Warum eine Therapie beginnen? 

Meiner Meinung nach kann man sich alleine nicht vergleichbar reflektieren. Dieser Effekt ist bereits in einem lockeren Gespräch mit dem*r besten Freund*in zu bemerken – plötzlich sieht man etwas aus einer völlig anderen Perspektive bzw. fühlt sich erleichtert, weil man es “losgeworden” ist. Das ist unter anderem auch der Grund, warum sich viele Menschen einen Life-Coach zur Seite nehmen.

Zwei wichtige Erkenntnisse 

Zu Beginn hatte ich lange die Überzeugung, dass mich die wöchentlichen Therapiesitzungen gesund machen. Frei nach dem Motto: Ich gehe hin und der Therapeut sagt mir, was zu tun ist, und dadurch geht mir besser – ähm nein. In den ersten Jahren war ich einfach nur froh, jemanden außerhalb meines Alltags zum Reden zu haben. Ich konnte all meine ‘komischen’ Gedanken, Empfindungen und Verhaltungsweisen aussprechen und wurde dafür nicht verurteilt. Außerdem habe ich schonmal fast zwei Jahre gebraucht, bis ich wusste, warum ich eigenltich erkrankt bin. Im Grunde kann man sich oft nur selbst helfen. Psychotherapie bedeutet für mich deshalb auch Hilfe zur Selbsthilfe. Ein weiterer Knackpunkt ist auf jeden Fall, dass man selbst WIRKLICH bereit sein muss, etwas zu ändern und aktiv an sich zu arbeiten. Ja das ist anstrengend, langwierig und man muss viele Rückschläge einstecken.
Im Bereich psychischer und psychosomatischer Erkrankungen finde ich es sehr schwierig grundsätzliche Ratschläge zu geben. Jeder ist anders und jedes Krankheitsbild hat so viele verschiedene Ausprägungen. Außerdem gibt es verschiedene therapeutische Arbeitsweisen. Hier lassen sich beispielsweise Verhaltenstherapie, Tiefenpsychologie oder analytische Therapie unterscheiden. Hier informierst Du Dich am besten selbst, da ich nur oberflächliche Kenntnisse habe und keine falschen Informationen verbreiten möchte.

Oft waren die 50 Minuten pro Woche einfach eine Auszeit. Manchmal habe ich verärgert die Stunde verlassen, weil ich mich total missverstanden fühlte und an anderen Tagen gingen mir gefühlt 1000 Lichter auf und ich konnte neue Zusammenhänge verstehen. Das war vor allem während meiner letzten Therapie der Fall. Diese ging vier Jahre lang.

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Zurückblickend kann ich heute sagen: Durch meine Erkrankungen wusste ich nicht mehr, wer ich war, was ich wollte und wer ich sein wollte. Oft fühlte ich mich wie eine leere Hülle, die sich irgendwie durchs Leben quälte. Heute bin ich Verena. Ich bin stolz auf das, was ich bis jetzt erreicht habe, lebe (überwiegend) im Hier und Jetzt und freue mich auf die Zukunft. Ich bin eine offene, hilfsbereite Person, die gerne schreibt und sich für Nachhaltigkeit einsetzt. Ich bin höchst sensibel und muss mir meine Kräfte gut einteilen. Ich habe vielleicht intensivere Höhen und Tiefen und öfters mit gedrückter Stimmung zu kämpfen, als “normale” Menschen. Dennoch bin ich kein Alien (so wie ich es oftmals empfunden habe). Natürlich kenne ich die Gedanken, was wäre, wenn ich nicht erkrankt wäre. Allerdings hat mich meine Vergangenheit zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin und ich möchte kein anderer sein.

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Das bringt alles nichts & warum ich es trotzdem mache

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Auf meinem Blog herrscht eine Flaute. An Ideen mangelt es mir jedoch ganz und gar nicht – die Konzeptliste ist seitenlang und es warten bereits fünf Blogpost-Entwürfe auf ihre Fertigstellung. Trotz des großen Tatendrangs spüre ich eine enorme Hemmschwelle. Oder habe ich einfach die Motivation verloren? Möglich. Mehr habe ich das Gefühl, dass niemand hören will, was ich mitteilen möchte. 

Soziale Netzwerke, Blogs, Online-Selbständigkeiten boomen und schießen gefühlt explosionsartig um mich herum aus dem Boden. Das ist natürlich per se nicht schlecht und ich bin ja auch ein Teil davon. Doch was die meisten versprechen, kann ich Dir nicht bieten, nämlich: Die primäre Aufwertung Deines Egos. Häh? – Alles wird gut oder sogar besser oder perfekt, wenn Du Dichselbst liebst, wenn Du Dich gesund/ vegan/ keto/ paleo /glutenfei/ pescetarisch/ highcarb/ lowcarb/ highfat /… ernährst, ein bestimmtes Sportprogramm durchziehst, diese Schminke benutzt, dahin in den Urlaub hinfährst, diese Mentalübung machst… – Versteh mich bitte nicht falsch, diese Botschaften haben alle Ihre Berechtigung. Doch das Ziel der Selbstoptimierung (ohne konkreten Nutzen für andere) findest Du bei mir nicht. Leider kann ich nicht predigen: Wenn Du weniger Plastik konsumierst, wenn Du Müll von anderen aufsammelst, wenn Du weniger in den Urlaub fährst, … wird es Dir sofort danach besser gehen. Bei meinen Themen geht es in den meisten Fällen nicht primär um das eigene Wohl, sondern um das der Umwelt bzw. UNSwelt. Am Ende des Tages sind wir nämlich nicht nur ein Ego, sondern ein Individuum unter vielen Individuen, die sich die Welt (zwangsweise) teilen.

Wir sitzen alle im selben Boot 

Bereits von Gruppenarbeiten aus der Schulzeit wissen wir, dass sich die Leistung des Einzelnen auf die gesamte Gruppe auswirkt. Der eine engagiert sich mehr, der andere weniger, jedoch hat man am Ende des Tages kein Ergebnis, wenn niemand etwas auch für andere ohne konkreten Eigennutzen macht. Was hat das jetzt alles mit meiner Hemmschwelle zu tun? – Ich möchte nicht mit erhobenem Zeigefinger Anweisungen geben, was Du zu tun oder zu lassen hast. Ich möchte Alternativen aufzeigen, die für jeden machbar sind. Ich möchte sensibilisieren und motivieren. Ich möchte, dass einfach jeder einen kleinen Beitrag leistet, wie in einer Gruppenarbeit. Als Teil der Gruppe fällt das Gruppenergebnis immer wieder auf einen selbst zurück.

Handeln statt Perfektionieren 

Ich biete Dir keine perfekten Essensfotografien, die nie so auf Deinem Teller landen werden. Ich zeige Dir keine Körperform, die Du nicht erreichen wirst. Ich grinse Dich nicht an, wenn das Lachen nicht ehrlich ist. Niemand ist perfekt – was aber nicht die Ausrede sein kann, um nichts zu ändern.

Stell Dir einmal vor, Dein Kind, Dein Enkel oder ein fremdes kleines Kind fragt Dich in 30 Jahren: Was hast Du damals gegen den Klimawandel und die Umweltverschmutzung getan? Genau hier möchte ich EHRLICH sagen können: DAS habe ich gemacht. Ich habe mein Wissen anderen mitgeteilt und Wissen, Erfahrungen von anderen angenommen. Ich habe aus jeder Situation versucht, das Beste zu machen.
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