Ostern: Warum du keine gefärbten Eier kaufen solltest – 6 Fakten rund um das Ei

Ostern: Warum du keine gefärbten Eier kaufen solltest – 6 Fakten rund um das Ei

Bereits seit Wochen funkeln uns Osterhasen und gefärbte Eier – schokoliert oder gekocht – beim Einkaufen entgegen. Auch wenn bunte “Brotzeiteier” mittlerweile das ganze Jahr über erhältlich sind, verbinden wir bunte Eier in erster Linie mit Ostern. Wer gerne gefärbte Eier isst, dem sollten einige Aspekte bewusst sein. Was es zu beachten gibt und warum du von gefärbten Eiern aus dem Supermarkt lieber die Finger lassen solltest, erfährst du hier!

1. Da kommt das Ei her

Grundsätzlich ist die Herkunft von jedem Ei genau nachvollziehbar. Detailiierte Auskunft darüber gibt der Code, der auf allen frischen Eiern aufgedruckt ist.

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Beispiel: 0 – DE – 1408911

Die erste Zahl zertifiziert die Haltungsform der Hennen:

0 → Biohaltung
1 → Freilandhaltung
2 → Bodenhaltung
3 → Käfig- bzw. Kleingruppenhaltung

Das darauffolgende Buchstabenkürzel ist die die Länderabkürzung, wo da Ei gelegt wurde. Eier aus Deutschland tragen das Kürzel DE, Eier aus Österreich AT sowie beispielsweise aus den Niederlanden NL. Zum Schluss folgt die Betriebskennnummer. So kann ein Ei wirklich bis zum Bauern zurückverfolgt werden.

2. Regionale Eier erkennen

Dass der Eier-Code über Herkunftsland und Art der Haltung Auskunft gibt, ist weitgehend bekannt. Was viele aber nicht wissen: Mit der Betriebsnummer lässt sich die regionale Herkunft noch genauer spezifizieren. Die ersten beiden Ziffern der Kennzahl beschreiben nämlich das Bundesland, in dem der Hühnerhof beheimatet ist. So steht 14 beispielsweise für Sachsen, 09 für Bayern und Eier mit 05 kommen aus NRW. Ein Übersicht über alle Bundesländerkürzel auf Eiern findest du hier. So kannst du neben der Haltungsform noch mehr auf die regionale Herkunft deiner Eier achten.

3. Was der Dotter über das Ei verrät 

Hast du dich schon einmal gefragt, was die Farbe des Eidotters zu sagen hat? Oft wird fälschlicherweise angenommen, dass Eier mit dunklem Dotter aus “guter Haltung” stammen und Eier mit hellem aus schlechteren Haltungsbedingungen. Das ist allerdings so nicht richtig. Ausschlagend für die Farbe ist nämlich das Futter bzw. die Rasse der Hennen. Weil in Europa Eier mit dunklem Dotter bevorzugt werden, werden dem Futter Farbstoffe beigemischt. Konventionelle Eier (aus Freiland-, Boden-, Kleingruppenhaltung) haben deshalb meist einen tief orangenen Dotter, wohingegen der Dotter von Bio-Eiern hellgelb ist. Bei Letzteren sind Farbstoffe im Futter verboten. Der Dotter variiert bei Bio-Eiern deshalb natürlich von Ei zu Ei. 

3. Gefärbte Eier ohne Kennzeichnung 

Im Gegensatz zu rohen Eiern entfällt bei gekochten, bunten Eiern die Kennzeichnungspflicht. Sie gehören zur Kategorie “verarbeitetes Eiprodukt” – ähnlich wie alle Kuchen, Backwaren, Eis, Fertiggerichte etc., die Eier enthalten. Auf der Verpackung muss daher keinerlei Nachweis über Herkunft und Haltungsform gegeben werden. Da die Produkte grundsätzlich so billig wie möglich angeboten werden, liegt es nahe, dass ein großer Anteil der verarbeiteten Eier aus Boden- bzw. Käfighaltung stammt.

Sichergehen kann man bei der Herkunft verarbeiteter Eier lediglich, wenn das Endprodukt biologisch zertifiziert ist. Dann müssen alle Zutaten ebenfalls kontrolliert ökolasch erzeugt worden sein.

 

4. Zero Waste Eier färben

Am besten besorgst du dir regionale Bio-Eier und färbst sie zu Ostern selber. Dazu ist keine spezielle Eierfarbe notwendig. Mit diesen kleinen Tricks bekommst du ganz leicht gefärbte Eier:

Orange Eier

1 EL Kurkuma ins Wasser rühren und Eier 10 Minuten lang kochen.

Lila und grüne Eier

Eier mit Rotkohl bzw. dem Sud 10 Minuten lang kochen. Um grüne Eier zu erhalten, einfach 1 TL Natron dazu geben.

Rote Eier

Eier in Roter Beete Saft 10 Minuten lang kochen.


5. Haltbarkeit von Eiern 

Das ausgewiesene Mindesthaltbarkeitsdatum von Eier beträgt nach dem Legen 28 Tage. Durchschnittlich sind sie allerdings bei korrekter Lagerung (am besten im Kühlschrank) 21 Tage darüber hinaus haltbar. Ob rohe Eier noch zu verzehren sind, lässt sich mit einem ganz einfachen Trick testen:

Fülle ein Trinkglas mit Wasser und lege das Ei hinein. Sinkt es zu Boden, ist es noch einwandfrei verzehrbar. Hebt es sich vom Boden ab und schwimmt im Glas, solltest du das Ei nicht mehr essen.

 

6. Was passiert mit den männlichen Küken? 

Die meisten Eier kommen nicht vom idyllischen Bauernhof, sondern aus großen Legebetrieben. Von einem schönen Leben der Hennen kann hier nicht gesprochen werden. Von 40 Millionen Legehennen in Deutschland sind gerade mal 11 Prozent Bio-Hennen. Da zum Eierlegen keine männlichen Küken gebraucht werden können, werden diese nach dem Schlüpfen geschreddert oder vergast – auch in manchen Biobetrieben. Mittlerweile gibt es viele Initiativen, damit die männlichen Küken (vorerst) am Leben bleiben. Allen voran hat beispielsweise Naturland bereits 2011 die Initiative Ei Care ins Leben gerufen.

Gefärbte Eier zu Ostern – Fazit

Insgesamt finde ich Eier kein leichtes Thema. Mein Credo bleibt auch hier: Qualität vor Quantität! Wenn du gerne Eier isst, dann bitte wenig, bewusst und ausgewählt. Erkundige dich nach Biobetrieben in deiner Nähe oder kaufe Bio-Eier, die in einer Verbindung zu Initiativen stehen, die männliche Küken länger als einen Tag leben lassen. Sollen zum Osterbrunch gefärbte Eier serviert werden, empfehle ich aufgrund der genannten Gründe, Eier auch jeden Fall selber zu färben.

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Gemüsereste verwerten: Zero Waste Gewürzpaste – DIY

Gemüsereste verwerten: Zero Waste Gewürzpaste – DIY

Kann das weg oder ist das noch essbar? Die Antwort lautet ESSBAR! Schalen, Strunk und Abschnitte von Gemüse landen diesmal nicht im Müll. Mit dem folgenden Rezept kannst du Gemüsereste verwerten und weitere Speisen damit würzen – perfekt, wenn kein Kompost oder Biotonne zur Verfügung steht!

Es ist immer wieder erstaunlich, wie viele “Lebensmittel-Abfälle” tatsächlich noch genießbar sind. Kochen wir mit frischem Gemüse, fallen schnell diverse Blätter, Schalen und Abschnitte an. Diese landen nicht auf dem Teller, sondern eher im Müll. Viele erahnen gar nicht, welch köstliche Zero-Waste-Rezepte sie daraus kreieren lassen.

 

Keine Biotonne? Einfach Gemüsereste verwerten  

Leider steht in immer weniger Wohnungsanlage eine Biotonne zur Verfügung. Wer keinen Garten oder Platz für eine Wurmkiste hat, muss die Bioabfälle über den Restmüll entsorgen. Um das zu vermeiden, können die Gemüsereste einfach gesammelt und beispielsweise zu einer vielseitigen Gewürzpaste verarbeitet werden.

 

Verwertet werden können:

  • Schalen (Karotte, Sellerie, Kohlrabi, Pastinake, Zwiebel,…)
  • Blätter (Karottengrün, Blumkohlblätter, Kohlrabi, Radieschen, …)
  • Strunke (Brokkoli, Blumenkohl,…)
  • Abschnitte

Photo by Burana Reyhepi on Unsplash

Zutaten Gewürzpaste:

500g Gemüsereste
80g Salz
1 EL Olivenöl
frische oder getrocknete Kräuter

Zubereitung:

Die Gemüsereste ein bis zwei Wochen in einer sauberen Box sammeln und im Kühlschrank lagern. Vor der Verarbeitung alles gründlich waschen und prüfen, dass das Gemüse schimmelfrei ist.  Sollten Schimmelspuren erkennbar sein, bitte alles entsorgen und nicht mehr weiterverarbeiten.

Sind die gesammelten Reste in Ordnung, kann alles in einen Mixtopf gegeben und zerkleinert werden. Das Zerkleinern so lange wiederholen, bis eine Art Mus entsteht. Dann das Salz, Olivenöl und eventuell Kräuter hinzugeben. Alles nochmal gut durchmixen.

Die Paste in einen Topf geben, aufkochen lassen und unter ständigem Rühren etwas 20 Minuten köcheln lassen. Danach in saubere Gläser füllen und im Kühlschrank lagern.

 

Photo by Mink Mingle on Unsplash


Verwendung Gewürzpaste

Mit der fertigen Mischung kannst du jegliche herzhafte Gerichte verfeinern. Sie kann in Rezepten einfach anstatt fertiger Gemüsebrühe verwendet werden. Die Gemüse-Würzpaste eignet sich unter anderem hervorragend zum Marinieren von Tofu oder Tempeh.

 

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Wasserknappheit: Wo ist bei Wasser eigentlich das Problem?

Wasserknappheit: Wo ist bei Wasser eigentlich das Problem?

Nasse Ressourcen gibt es auf unserem blauen (!) Planeten eigentlich mehr als genug – über zwei Drittel der Erdoberfläche ist mit Wasser bedeckt. Nach Wasserknappheit klingt das nicht gerade. Allerdings handelt es sich dabei überwiegend um Salzwasser. Gerade einmal 0,3 Prozent des weltweiten Wasservorkommens ist trinkbar. Ungleiche Verteilung, Verschmutzungen, wachsende Bevölkerung und zunehmende Dürreperioden geben Anlass zur Sorge ums Wasser.

Mit dem Roman “Die Geschichte des Wassers”* greift auch die Bestseller-Autorin Maja Lunde nach “Der Geschichte der Bienen” das Wasser als Grundelement des Lebens auf. Im zweiten Teil ihres geplanten Klima-Quartetts erfährt Europa im Jahre 2041 eine extreme Dürreperiode. Viele Südeuropäer fliehen aufgrund von Wasserknappheit nach Skandinavien. Kann eine derartige Klimaflucht wirklich bald zur Realität werden?

Wasserknappheit: So fern und doch so nah?

Im Alltag machen wir uns aktuell keine Sorgen ums Wasser. Aus unseren Hähnen fließt sauberes Trinkwasser ohne Limit – von Wassernotständen keine Spur. Doch denken wir mal an vergangenen Sommer: Die Hitzeperiode führte in Deutschland zu ausgedörrten Böden, ließ Flüsse austrocknen und in manchen Gemeinden sogar den Notstand ausrufen. Zum Teil mussten Tanklaster die Trinkwasserversorgung sichern; ein Bild, das wir so nur aus Entwicklungsländern kennen.

Auch für mich war Wasser lange Zeit nichts worüber ich mir groß Gedanken machte. Klar, Wasser sparen beim Duschen und Zähneputzen, aber ein tieferes Bewusstsein hatte ich nicht dafür.

Bottled water: Wie Nestlé & co. Geschäfte mit Wasser machen

Auch ohne spezifische Recherchen wird bereits jede/r schon einmal gehört haben, dass mit Nestlé und Wasser etwas im Busch ist. Den großen Trinkwasser-Produzenten wird vorgeworfen, Bevölkerungen durch Anzapfen der Quellen das Wasser wegzunehmen. In dem Film “Bottled Life” dokumentierte der Filmemacher Res Gehriger, wie in einem pakistanischen Dorf nahe den Wasser-Zapfsäulen von Nestlé der Grundwasserspiegel so stark sank, dass eine ganze Reihe von Brunnen versiegte. Zunächst wies Nestlé die Vorwürfe zurück, sorgte dann aber im Dorf für einen neuen Tiefbrunnen und eine Aufbereitungsanlage. 

 

© Steve Johnson on Unsplash

Es ist nur ein Beispiel von vielen. Allein in Südafrika hat Nestle elf Standorte. Dazu kommt die Absurdität, das “geklaute” Wasser in Plastikflaschen zu füllen und auf der ganzen Welt zu verkaufen – der westliche Plastikwahn lässt grüßen. Auch ich hab bis vor ein paar Jahren noch selbstverständlich Wasser aus Plastikflaschen gekauft und getrunken. Als ich mich immer intensiver mit der ökologischen Landwirtschaft beschäftigt habe, bin ich schließlich auch auf das Thema Wasser gestoßen.

Grundwasserbelastung: Nitratwerte steigen stetig 

Deutsche Böden übersteigen an vielen Messstellen die Grenzwerte für Nitrat. Laut einem Bericht der EU-Kommission liegen die Nitratwerte in Deutschland im europäschen Vergleich auf Platz zwei – lediglich Malta ist noch mehr mit Nitrat belastet.

Nitrate sind chemische Verbindung aus Stickstoff und Sauerstoff. Sie sind wichtige Nährstoffe für Pflanzen. Im menschlichen Körper kann Nitrat zu Nitrit umgebaut werden, das zu Durchblutungsstörungen führt und im Verdacht steht, krebserregend zu sein.


Nitratbelastung: Das Problem der Überdüngung

Die hohe Nitratkonzentration in Böden und Grundwasser kommt vor allem von den künstlichen Düngemittel sowie Gülle in der (industriellen) Landwirtschaft. Das bedeutet nicht, dass Düngung grundsätzlich schlecht wäre – es kommt immer auf die Art von Dünger und die Menge an.

Nitrat fördert außerdem das Algenwachstum in Seen und Flüssen. Das verschlechtert die Wasserqualität erheblich. Außerdem wird Tieren und Pflanzen wichtiger Lebensraum weggenommen. Laut der Bundesregierung sei lediglich jeder vierte See in Deutschland in einem unbedenklichen Zustand.

Wird Trinkwasser bald teurer?

Grundsätzlich ist die Qualität unseres Trinkwassers von der Nitratbelastung nicht gefährdet. Allerdings wird die Aufbereitung dadurch stetig umfangreicher und kostenintensiver. Bereits 2017 stellte das Umweltbundesamt in einer Studie in Aussicht, dass das Trinkwasser aufgrund der hohen Nitratbelastung deutlich teurer werden könnte.

Von möglicher Wasserknappheit auch in Europa hatte ich zum ersten Mal auf dem hamburg.bio Nachhaltigkeitskongress im April letzten Jahres gehört. Tobias Bandel von Soil and More stellte in Aussicht, dass Unternehmen wie Brauereien bald das Wasser ausgehen werde. Diese Aussage war für mich damals überhaupt nicht greifbar und verständlich.

 

© Manu Schwendener on Unsplash

 

Meine Konsequenzen aus dem Wasserproblem

Abgefülltes Wasser versuche ich so gut es geht zu vermeiden. Von Nestlé oder Danone abgefüllte Flaschen boykottiere ich strikt. Allerdings muss ich auch zugeben, dass es mir schwer fällt, ausschließlich stilles Leitungswasser zu trinken. Hin und wieder greife ich daher auch Wasser in Glasflaschen zurück. Dabei erkundige mich genau nach dessen Herkunft und Produktion. 

Das Problem mit Nitrat war mir nicht neu. Allerdings war ich mir auch nicht bewusst, welche gravierende Ausmaße es bereits angenommen hat. Für mich ist es eine Bestätigung, überwiegend biologisch erzeugte Lebensmittel zu kaufen und so wenig tierische Produkte wie möglich zu konsumieren.

Mich würde sehr interessieren, wie Ihr zum Thema Wasser steht! Lasst es mich doch gerne in den Kommentaren wissen!

 

 

HEYO! Granola: Das erste soziale Bio-Müsli im Glas

HEYO! Granola: Das erste soziale Bio-Müsli im Glas

HEYHO Granola macht Schluss mit Fließbandproduktion, Verpackungswahn und sozialer Ausgrenzung. In der Lüneburger Granola-Manufaktur rösten die Granola-Aktivisten Christian, Stefan und Tim mit ihrem Team Müslis in Handarbeit. Die Zutaten sind biologisch und großteils aus der Region. Die soziale Müslirösterei öffnet außerdem gesellschaftlich benachteiligten Menschen die Tür zur Teilhabe am Arbeitsleben. Ich habe mit Christian über’s Frühstücken, das bunte HEYHO Granola Team und Wachstum mit Grenzen gesprochen.

Christian, beim Thema Frühstück scheiden sich ja oft die Geister. Kann ein Granola Aktivist überhaupt ohne Frühstück das Haus verlassen?

Ich kann kurz ohne Frühstück aus dem Haus gehen, aber wo auch immer ich dann ankomme, muss ich tatsächlich erstmal frühstücken – am liebsten dann natürlich ein HEYHO Granola, man muss ja immer schauen, dass die Qualität stimmt.

Warum sollte ausgerechnet HEYHO Granola auf dem Frühstücktisch stehen?

Weil man sich mit unseren verrückten Sorten nicht nur sich selbst eine Freude machen kann, sondern auch den Leuten, die in der Produktion bei HEYHO arbeiten. Wir bauen einen bunten Produktionsstandort auf, wo wir für Menschen Perspektiven schaffen, die vom Jobmarkt ausgeschlossen sind. Je mehr Menschen HEYHO Granola essen, umso mehr Müsli können wir rösten und umso mehr Leute können wir beschäftigen.

Woher kommt dieser soziale Ansatz, gesellschaftlich benachteiligte Menschen zu beschäftigen?

Grundsätzlich haben wir bei HEYHO! den tiefen Wunsch nach mehr Fairness in der Gesellschaft. Wir leben in einer Welt, wo doch jeder ahnt: so kann es einfach nicht weitergehen. Wir wollen einfach zeigen, dass es auch anders gehen kann. Mit HEYHO! wollen wir beweisen, dass die Welt zwar nicht das vierhundertste Müsli braucht, aber ein anderes Wirtschaften. Mit einer klaren sozialen Zielsetzung bringen wir wieder mehr Abwechslung ins Müslisegment, dazugegeben ziemlich verstaubt ist. Durch einen guten Zufall haben Tim und ich Stefan kennengelernt. Er arbeitet seit 20 Jahren in der Wohnungslosenhilfe. Dadurch kam die konkrete Idee, mit dem Projekt wieder Perspektiven für Menschen zu schaffen, die aufgrund ihrer Lebensgeschichte vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen sind.

 

“Es gibt tausend Gründe, warum Menschen an Grenzen stoßen und keine Chance mehr auf eine fair bezahlte Anstellung bekommen.”

Seht ihr euch als Vorreiter in Sachen Verantwortung der Unternehmen für Mitarbeiter?

Vorreiter wär vielleicht etwas zu dick aufgetragen. Wir wollen einfach beweisen, dass man mit Vertrauen, Wertschätzung und Offenheit ganz viel Positives bei Menschen bewirken kann. Bei HEYHO Granola schaffen wir einen Ort, an dem Menschen, die vielleicht noch nie Wertschätzung erfahren haben, fair bezahlt werden und wo jemand sagt „Cool, dass du da bist“. Wir sind überzeugt, dass jeder etwas kann und tief drinnen auch den Wunsch verspürt, etwas zu machen. Sieben Tage Sonntag sind eben auch kein Highlight. Jeder Mensch will doch Teil von etwas sein und sich einbringen. Das ist der Antrieb, warum wir zur Arbeit gehen. Das ist ein wichtiger Grund, warum wir zur Arbeit gehen. Neben dem finanziellen Aspekt geht es am Ende doch um Wertschätzung und Teilhabe. Wenn wir da andere Unternehmen inspirieren können nehmen wir die Vorreiterrolle gerne an.

Du hast bereits erwähnt, dass HEYHO mit einem sehr bunten Team in der Rösterei steht. Wer gehört denn zu Eurer Crew?

Bei HEYHO! arbeiten Menschen aus den verschiedensten Himmelsrichtungen des Lebens. Es gibt tausend Gründe warum Menschen an Grenzen stoßen und keine Chance mehr auf eine fair bezahlte Anstellung bekommen. Wir kramen nicht in der Vergangenheit, sondern schauen nach vorne und fragen, worauf die Mitarbeiter*innen inhaltlich Lust haben und wo sie weiter kommen wollen. Bei uns ist es egal, was die Leute vorher gemacht haben. Wir schauen, worauf die Mitarbeiter*innen inhaltlich Lust haben zu arbeiten und wo sie weiterkommen wollen.

Milad ist z.B. vor drei Jahren aus dem Iran geflohen und hatte es aufgrund von Sprachbarrieren und mangelnder Ausbildung sehr schwer, einen Job zu finden. Bei HEYHO! sorgt er für gute Stimmung in der Produktion und packt bei allen Schritten in der Produktion mit an. Ohne Milad geht nix. Dieses Jar werden wir ihn hoffentlich fest anstellen können, das ist unser großes Ziel.

Dann arbeiten wir z.B. noch mit Karl (Name geändert). Aufgrund einer Depressionserkrankung ist er schon länger aus dem Arbeitsleben raus – frühverrentet mit Anfang 30, also echt noch jung. Karl braucht viel Ordnung und klare Strukturen. Deshalb schmeißt er bei uns das Versandlager und hilft, Ordnung in unseren Chaoshaufen zu bringen. Bei uns arbeiten auch noch Studierende der Uni Lüneburg, die lieber mit uns Müsli rösten, anstatt zu kellnern.

Die Vielfalt der Charaktere trägt eben wesentlich zur Stimmung in der Rösterei bei. mit. Ganz ehrlich: Am Ende hat doch jeder einen weg von uns. Es gibt keinen, der komplett knusper ist. (kurzer Lachflash beiderseits) Am Ende muss es natürlich funktionieren, aber eben immer auch Spaß machen. Wenn’s Spaß macht, kommt der Rest schon von alleine.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie schwierig es beispielsweise ist, mit psychischen Krankheiten in der Arbeitswelt Fuß zu fassen und diese Teilhabe zu erfahren. Wie erlebt Ihr die Zusammenarbeit?

Bisher sammeln wir sehr positive Erfahrungen. Aus dem Bereich der Wohnungslosenhilfe haben wir tolles Feedback von den Betreuern. Seitdem J. und T. bei uns arbeiten – auch wenn sie nur zweimal die Woche kommen – sind sie Teil von HEYHO Granola. Das macht einfach viel Gutes mit den beiden. Für Karl, der eher Team Ordnungsliebhaber ist, ist so ein leicht chaotisches Startup wie HEYHO! auch eine Herausforderung. Wenn er sagt “Boah Jungs, ihr müsst mehr Ordnung rein bringen!”, sagen wir “Ja geil, hilf uns dabei! Du bist der Ordnungsprofi!” Wir kehren das dann sozusagen um.

Wenn sich jemand nicht gut fühlt, dann muss er auch nicht kommen. Er muss nur rechtzeitig Bescheid geben und dann ist es auch ok. Wir haben viel Geduld und Verständnis. Schließlich wollen wird ja dabei helfen, gute Potentiale zu entfalten. Das geht eben nicht an jedem Tag, das wissen wir.

Nach dem Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit, sollten Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt stets gleichermaßen berücksichtig werden. Euer Konzept ist der Beweis, dass das möglich ist. Was hindert die meisten Unternehmen daran, diese Schritte ebenfalls zu gehen?

Ich glaube, es ist eine Profitgetriebenheit aufgrund von Aktionärsstrukturen. Viele Betriebe, die einmal mit guten Ideen gegründet wurden, gehören am Ende nicht mehr den Menschen, die den Betrieb eigentlich am Laufen halten. Hier kommen Interessen dazu, die immer nur auf Wachstum, Wachstum, Wachstum ausgerichtet sind. Ja, wir müssen wachsen und eine gewisse Größe haben, damit sich das ganze Projekt trägt. Aber auch das hat eben seine Grenzen. Allein der Gedanke, dass Wachstum Grenzen haben kann, ist in unserer heutigen Zeit völlig fremd.

Wir glauben, dass man einen Betrieb vernünftig und lieber langsam aufbauen sollte, anstatt schnell zu wachsen und wichtige Aspekte wie z.B. die Mitarbeiterzufriedenheit hinten runter fallen zu lassen. Firmen sollten sich klar werden, was eigentlich ihr Zweck ist – außer Wachstum und Geldvermehrung. In vielen Bereichen findet da gerade ein Wandel statt, weil die Menschen keinen seelenlosen Mist mehr kaufen wollen. Was man nicht vergessen darf: Wir leben in einer krassen Überflussgesellschaft. Dennoch kann man innerhalb dieser mit gutem Beispiel vorangehen und es anders machen. Dafür treten wir mit HEYHO! an. 

 

Die HEYHO Granola Sorten
LATE NIGHT BREAKFAST mit Schokolaugenbrezeln
– FRÜHSPORTFREUNDE mit Kokosnuss-Chunks und Himbeeren
– SALTICITY ORIGINAL mit karamellisierten Nüssen und Lüneburger Salz
– GOLDEN CHAICHAI mit Kurkuma, Zimt und Ingwer

Pssst: Im Sommer erscheint eine neue Sorte mit fruchtiger Ananas! 

HEYHO Granola – alles andere ist Müsli

Ich treffe die Granola-Aktivisten bereits zum zweiten Mal auf der BIOFACH in Nürnberg. Was sofort am bunten Stand auffällt: Der Spaß und das Miteinander stehen immer im Mittelpunkt. Die soziale Müslirösterei bezieht ihren Hafer aus der Region um Lüneburg. Auch die Zutaten, die nicht in Deutschland beheimatet sind, wählt HEYHO mit viel Bedacht aus. Die Idee, das fertige Müsli in Gläser zu verpacken, entstand eigentlich aus der Not heraus. “Wir hatten einen Testverkauf in einer Walldorfschule. Kartons hätten wir in dieser Zeit nie cool bemalen können und haben dann einfach Gläser genommen.”, erzählt mir Christian. “Auf dem Markt war die Resonanz auf das Glas so krass positiv, dass wir beim Glas geblieben sind.”

“Recycle oder mach was Schönes damit! Peace.”

HEYHO Granola arbeitet auch mit Unverpacktläden zusammen. Dort können die bunten Müsligläser dann ganz einfach wieder aufgefüllt werden. Der Aufdruck “Recycle oder mach was Schönes damit! Peace.” erinnert die Kunden*innen daran, verantwortungsbewusst mit der Verpackung umzugehen. Christian hat auch paar Upcycling-Tipps parat: “Die Gläser machen sich super als Aufbewahrungsgefäße in der Küche. Man kann auch einfach eine Kerze reinstellen oder eine Lampe daraus basteln.”

 

Du findest HEYHO! klasse und möchtest das coole Müsli-Team unterstützen? Dann schau doch gerne in Deinem nachten Alnatura vorbei. Hier findest Du den ganzen März über alle leckeren Sorten in den Regalen. Wenn genug Gläserner den Ladentisch gehen, hat HEYHO Granola die Chance auf eine Listung in den Alnatura-Märkten. Das würde ihnen beim Aufbau der sozialen Müslirösterei enorm helfen.

“Bei HEYHO! stellen wir keine Leute an, um Granola zu rösten. Wir rösten Granola, um Menschen einzustellen.”

(VH)

Trester weiterverarbeiten: Rezept für vegetarische Bratlinge

Trester weiterverarbeiten: Rezept für vegetarische Bratlinge

Bewusst kochen kann so einfach sein! Das Beste dabei: Mit frischen Zutaten und einer Portion Kreativität werden auch aus Resten vielfältige Leckereien. Mit diesem einfachen Rezept gelingen pflanzliche Bratlinge mit und ohne Sojamilch-Trester

Kochen und Lebensmittel selber herstellen verbinden wir oft mit viel Aufwand und wenig Ertrag. Dabei ist genau das Gegenteil der Fall. Sojamilch selber machen ist dafür das beste Beispiel. Selbst ohne Hochleistungs-Küchengeräte kann jede*r den Pflanzendrink ganz leicht selber herstellen und Tetra Paks vermeiden. Nach dem Abfiltern der Sojamilch bleibt der sogenannte Okara – der Trester der Sojabohnen – übrig. Um Abfall handelt es sich dabei keineswegs, sondern um eine fantastische Grundlage für leckere Rezepte.

Kurz erklärt: Als Trester werden die festen Rückstände bezeichnet, die beispielsweise noch dem Pressen von Apfelsaft übrig bleiben. Trester fällt unter anderem bei der Herstellung von Speiseöl und eben auch von pflanzlicher Milch an. Bei der Sojamilchproduktion wird dieser Okara genannt.


Trester verarbeiten: Rezept für vegetarische Bratlinge
 

Egal ob süß oder salzig – aus Okara lässt sich für jeden Hunger etwas zaubern. Ein aktueller Favorit: schmackhafte Bratlinge mit Karotte und Weißkohl. Sie gewinnen vielleicht keinen Schönheitswettbewerb, aber geschmacklich stehen sie auf dem Treppchen ganz oben, und stillen den herzhaften Hunger.

 

Zutaten für 6 Patties:

200g Okara / alternativ weiße Bohnen
1 TL Backpulver
1 EL geschrotete Leinsamen 
100g Dinkelvollkornmehl 
1 Karotte
1 Hand voll Weißkohl
1/2 TL Kreuzkümmel
1 TL Gemüsebrühe
2 TL Paprika edelsüß
Salz, Pfeffer

Zubereitung:

Den Okara gut auspressen und in eine große Schüssel geben. Alternativ die Bohnen mit etas Wasser pürieren. Dazu die geschroteten Leinsamen, Mehl und Backpulver geben und gut verrühren. Während die Leinsamen quellen, Karotte und Kohl waschen und in möglichst kleine Stücke schneiden. Das Gemüse zusammen mit den Gewürzen in die Schüssel geben und gleichmäßig vermengen.

 Je nachdem wie feucht bzw. trocken die Masse ist, noch etwas Mehl oder Wasser hinzugeben. Dann aus 6 Bratlinge formen. Die Patties können mit etwas Öl in der Pfanne kross gebraten oder im Ofen bei 170 Grad ca. 30 Minuten gebacken werden.


Trester-Bratlinge 
vielfältig kombinieren
 

 Die fertigen Bratlinge schmecken super als Burger-Patties zwischen zwei Brötchenhälften oder auch einfach pur als herzhafter Snack zwischendurch. Es ist noch etwas Reis vom Vortag übrig? Dann lege noch zwei Bratlinge und etwas frisches Gemüse dazu und Du hast ein super Mittagessen. Der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt!

 

 

Du bist auf den Geschmack der Zero-Waste Küche gekommen? Dann findest Du hier 3 pfiffige Rezepte, die Du so noch nicht gesehen hast!

(VH)

 

Sojamilch selber machen – ohne Küchenmaschine

Sojamilch selber machen – ohne Küchenmaschine

 

Tetra Pak ade: So kannst Du Sojamilch selber machen – ganz einfach und ohne Hight-Tech-Küchengeräte. Probier’s doch gleich mal aus!  

Mandel, Cashew, Hafer, Dinkel, Reis… Die Auswahl an pflanzlichen Milchalternativen ist mittlerweile unglaublich vielfältig. Der Nachteil: Sie sind ausschließlich in Tetra Paks erhältlich. Während Kuhmilch auch in Pfandflaschen im Kühlregal steht, machen Pflanzendrinks in Sachen Zero Waste bis jetzt eine schlechtere Figur.

Pflanzliche Milch: Sojamilch selber machen

Getreide- und Nussmilch lassen sich verhältnismäßig einfach auch in der heimischen Küche zubereiten. Das Rezept für eine wunderbare Hafermilch hat zum Beispiel Swenja auf Lager. Bei Sojamilch wird es da schon schwieriger. Aber nichts ist unmöglich! So kann jeder seine Sojamilch ganz einfach selber zubereiten:

 

 

 

Zutaten für 1 l Sojamilch:

1 TL Natron
Wasser

Küchenutensilien:
Pürierstab
sauberes Küchentuch
großer Topf
große Schüssel
saubere Gläser zum Abfüllen

Zubereitung:

Die Sojabohnen 4 – 6 Stunden in Wasser einweichen (am besten über Nacht). Danach absieben und mit frischem Wasser spülen. Die Sojabohnen in einen großen Topf geben, mit frischem Wasser großzügig überdecken, 1 Teelöffel Natron dazugeben und aufkochen. Die Hitze auf mittlere Stufen reduzieren und 40 Minuten köcheln lassen. (Achtung: es kann stark schäumen, deshalb besser einen großen Topf verwenden.)

Wenn die Bohnen weich sind, den Topfinhalt absieben. Die abgetropften Sojabohnen zusammen mit 0,5 l frischem Wasser pürieren. Danach weitere 0,5 l frisches Wasser dazugeben und nochmal kurz aufkochen.

Sojamilch selber machen: Milch abfiltern

Das saubere Küchentuch über eine Schüssel legen und die Flüssigkeit nach und nach hineingeben und vorsichtig durch das Tuch pressen  (alternativ kann dazu ein Nussmilchbeutel oder ein ganz feines Sieb verwendet werden).

Zum Schluss bleibt im Küchentuch der Sojatrester – sog. Okara – zurück. Dieser kann für leckere Burger-Parties verwendet werden.
Die gefilterte Sojamilch am besten mit einem Trichter in saubere Flaschen füllen und direkt in den Kühlschrank stellen.

Gut zu wissen: Herkömmliche Pflanzendrinks sind oft gesüßt. Die pure Sojamilch kann Dir also ziemlich herb vorkommen. Eine angenehme Süße verleiht beispielsweise Kokosblütenzucker oder Honig. Am besten aber erst direkt bei der Verwendung süßen.

Jetzt steht der müllfreien Sojamilch nichts mehr im Weg! Solltest Du mein Rezept ausprobieren, freue ich mich sehr über Feedback!

(VH)