Mit 100 Dingen kamen unsere Urgroßeltern aus. Heute besitzen wir durchschnittlich 10.000 Sachen, die wir natürlich unbedingt brauchen – und wenn nicht, dann machen sie wenigstens glücklich. Oder etwa doch nicht? Meine Gedanken zur aktuellen Komödie von Florian David Fitz

Auf den Film wurde ich zufällig durch einen Trailer der Kinovorschau aufmerksam. Große Erwartungen hatte ich ehrlich gesagt nicht – vielmehr war ich unheimlich gespannt, was man servieren werde, wenn Fitz, Schweighöfer und Minimalismus zusammen in einem Topf landen. Ich möchte hier keine professionelle Filmkritik abgeben, sondern meine Gedankengänge als ganz normale Kinobesucherin mit Euch teilen.

Kurz zum Inhalt

Paul (Florian David Fitz) und Toni (Matthias Schweighöfer) sind seit ihrer Kindheit beste Freunde und führen zusammen ein Start-Up. Sie entwickeln eine App namens “Nana”, die sich individuell an ihre Nutzer anpasst und wie ein Freund interagieren kann – oder anhand der gesammelten Daten zu noch mehr Konsum verleiten soll. Um die App verkaufen zu können, muss Paul ohne seines Wissens als Versuchskaninchen herhalten. Dadurch geraten die Kumpels in Streit und schließen im Suff eine Wette ab: 100 Tage ohne Konsum. Sie müssen alles abgeben, was sie besitzen und dürfen sich pro Tag eine Sache zurückholen.

Klischee oder Konsumkritik?

Nach einem sehr verheißungsvollen Vorspann hatte ich es während den ersten 20 Minuten bereits bereut, ein Ticket gelöst zu haben. Mir kam der Film viel zu platt und zu klischeehaft ins Rollen: Auf der Suche nach Investoren für Ihre App kommen Toni und Paul mit zwei anderen innovativen Köpfen ins Gespräch. Sie tragen weite, beigefarbene Leinenhemden. Hinter einem Ohr baumeln zwei Dreadlocks. Sie stellen sich als Minimalisten vor, die ebenfalls eine App entwickelt haben. Allerdings soll diese den Menschen helfen, sich leichter von ihren Besitztümern zu trennen.  Hier wird meiner Meinung nach das in der Gesellschaft verbreitete Klischee, Minimalisten seien nur Vollzeit-Ökos, die im Aussteiger-Look und ohne Deo unterwegs sind, zu fett unterstrichen. Warum keine ebenso hippen jungen Leute in weißem T-Shirt und schwarzer Hose? Naja, im Publikum war es natürlich ein Lacher, über den ich nicht wirklich lachen konnte.

Im weiteren Verlauf geht der Film jedoch tiefer. Durch den Verlust ihrer materiellen Besitztümer, schießen Paul und Toni plötzlich bisher unbekannte Fragen durch den Kopf: Was brauchen wir wirklich zum Leben? Machen uns Dinge glücklich? Und wenn nicht, was macht uns dann glücklich? Auf der Suche nach der Antwort finden sich die Hauptdarsteller schon mal im Schoß von Pauls Oma bzw. Mutter wieder. 

Unterhaltung meets Gesellschaftskritik

Teil der Wette ist es auch, sich nichts zu essen kaufen zu dürfen. Lediglich der Kühlschrank im Start-Up-Büro steht den Buddies zur Verfügung. Als Paul auf der Suche nach etwas Essbarem in alten Obstkisten wühlt, kommt plötzlich das Thema Lebensmittelverschwendung ins Spiel. Doch ausgerechnet der Internet-Milliardär David Zuckerman erklärt ihm (auf Englisch mit deutschen Untertiteln), dass 40 Prozent aller Lebensmittel weggeschmissen werden. Ein gewollter Schlenker, bei dem ich mir nicht sicher bin, ob er wirklich im Publikum ankam. Zum Ende hin bringt Fitz sogar noch kurz die Idee einer solidarischen Landwirtschaft ins Geschehen: Paul schlägt, seiner Belegschaft vor, vom Erlös der App ein Stück Land zu kaufen, dies gemeinsam zu bewirtschaften und Waren untereinander zu tauschen. Wieder eine schöne Idee, die aber sehr versteckt übermittelt wird.

“Jede Sache, die wir besitzen, frisst Aufmerksamkeit”, äußerte sich Fitz im Interview mit der FAZ. Ein entscheidender Aspekt, den der Film nur indirekt vermittelt. “Nimmt der Tag den gar kein Ende?”, beklagt sich Paul um 08:45 Uhr bei Toni gleich zu Beginn der Challenge. Solche Szenen hätte der Film noch einige mehr vertragen.

Es ist natürlich eine große Herausforderung, gesellschaftskritische Themen in eine unterhaltende Komödie zu integrieren. Ich finde es großartig, dass Florian David Fitz dies versucht. 100 Dinge ist definitiv ein Film, der sich an alle richtet und eben nicht nur an eine selektive Gruppe, die sich bereits viel mit den angesprochenen Themen befasst. Auf Instagram habe ich meine Abonnenten nach ihrer Meinung zu 100 Dinge gefragt:

“Super Film! Bringt einem zum Nachdenken”

“Finde ich super, dass dieses Thema so zum “Mainstream” Zugang findet”

“Da kommt man wirklich ins Nachdenken”

“Ökos sollten sich den Film nicht ansehen”

Mein Fazit

100 Dinge ist ein qualitativ hochwertiger Film, der sich bemüht, viele gesellschaftliche Probleme aufzugreifen und gleichzeitig das Publikum zu unterhalten. Die Message passt auf jeden Fall zur konsumlastigen Vorweihnachtszeit. Ich hoffe, dass die Botschaften auch wirklich bei den Kinozuschauern ankommt und sie mehr mitnehmen, als 110 Minuten Freundschaftsrivalität mit viel nackter Haut.

Jetzt bin ich auf Eure Meinung gespannt! Habt Ihr den Film bereits gesehen? Lasst es mich gerne in den Kommentaren wissen!

VH